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THERAPIE
Die erbliche Veranlagung bedingt, daß eine Heilung der Psoriasis
im strengen Sinn nicht möglich ist. Die therapeutischen Möglichkeiten
bei der Schuppenflechte haben sich im letzten Jahrzehnt allerdings stark
weiterentwickelt.
VORRANGIGE THERAPIEZIELE BEI DER SCHUPPENFLECHTE
Beseitigung bestehender Krankheitserscheinungen. Dabei Berücksichtigung
des Wirkungs-/Nebenwirkungsverhältnisses verschiedener Therapieformen
mit dem Ziel, unerwünschte Reaktionen auch bei einer Langzeitbehandlung
auszuschließen
- Stabilisierung gebesserter und vor allem erscheinungsfreier Zustände
- Beseitigung und Verhinderung von Komplikationen, die bei schweren Schuppenflechteformen
vor allen Dingen die soziale Integration und das seelische Gleichgewicht
der Betroffenen belasten
- berufliche Wiederherstellung (Rehabilitation) des Psoriasispatienten
THERAPIEFORMEN
Den Ärzten steht heute eine große Palette von Methoden mit
überzeugender antipsoriatischer Wirksamkeit zur Verfügung. Welche
Medikamente und Behandlungsformen zum Einsatz kommen, hängt von der
Schuppenflechteform und dem Grad der Ausbildung ab.
Obwohl wir ja wissen, daß gelegentlich länger anhaltende erscheinungsfreie
Zustände eintreten, ist der Verlauf der Schuppenflechte in der Regel
unvorhersehbar, entweder chronisch oder in Schüben verlaufend, so
daß zur Erzielung einer langfristigen Erscheinungsfreiheit eine
entsprechende Langzeitbehandlung erforderlich ist. Generell gilt, daß
die Behandlung der Schuppenflechte kein einfaches Unterfangen darstellt,
da eine ganze Reihe von Faktoren zu beachten ist. Hierzu gehören
vor allem die Ausprägung der Schuppenflechte, ihre Ausdehnung, besondere
Erscheinungsbilder, mögliche verschlimmernde Erkrankungen und das
Alter des Patienten.
Aus der Gesamtheit aller Einzelfaktoren ergibt sich, ob das vorliegende
Krankheitsbild im Rahmen einer Behandlung durch den niedergelassenen Hautarzt
beherrschbar ist, oder ob - zumindest anfangs - ein stationärer Aufenthalt
in einer Fachklinik erforderlich ist.
Vom Ausdehnungsgrad der Schuppenflechte hängt es ab, ob eine äußerliche
Behandlung ausreicht oder ob eine innerliche Behandlung mit Medikamenten
notwendig ist.
WIRKSTOFFE IN CREMES UND SALBEN
Medikamente und Behandlung müssen so gewählt werden, daß
keine zu starke Hautreizung entsteht, die ihrerseits als Auslösereiz
wirkt und neue Schuppenflechteherde entstehen läßt. So wählen
wir bei sehr frischen kleinfleckigen, rasch entstehenden Schuppenflechteformen,
die meist auch mit Juckreiz einhergehen, eine mildere Therapie als bei
chronisch stationären Formen. Insgesamt wünschen wir uns ja
alle, daß der Therapieeffekt rasch eintritt, ohne daß Nebenwirkungen
auftreten, und daß der gebesserte bzw. erscheinungsfreie Zustand
langfristig erhalten bleibt.
Als erste Maßnahme ist eine Entschuppung der oft von dicken Hornauflagerungen
bedeckten Herde erforderlich, damit die eigentlichen Wirkstoffe in tiefere
Hautschichten - den Ort der Entzündung - einziehen können.
- Schuppenablösung
Mit folgenden Substanzen lassen sich die Hautschuppen gut ablösen:
Salizylsäure (Acidum salicylicum) entfernt in Konzentrationen bis
zu 2 % Schuppen direkt. In höherer Konzentration wird das Schuppenmaterial
(Keratin) aufgequollen und gelöst.
Je nach dem zu behandelnden Areal wählt man unterschiedliche Grundlagen
zur Einarbeitung von Salizylsäure.
Für den Körper hat sich als Grundlage am besten weiße
Vaseline bewährt. Die 3-5 %ige Salizylvaseline wird mehrere Tage
lang angewendet.
An Hand- und Fußsohlen, die meist eine deutlich dickere Schuppenauflage
aufweisen, müssen wir die Salizylsäurekonzentrationen zum Teil
auf über 10 % erhöhen. Hier hat sich als weitere Salbengrundlage
besonders die Bleipflastersalbe bewährt, die als 10%ige Salizyl-DiachylonSalbe
zur Anwendung gelangt. Auf dem behaarten Kopf erreichen wir eine sichere
Schuppenlösung am besten durch das Anlegen von Ölkappen mit
5-10 % Salizylsäure in Olivenöl, die über Nacht einwirken
können. Der Patient trägt das vorbereitete Öl auf den Kopfboden
auf und bedeckt anschließend alles mit einer Gazekappe oder Badehaube.
Besser zu handhaben sind 3-, 5- oder 10%ige Salizylsäurezubereitungen
in abwaschbaren Salbengrundlagen, die in den Kopfboden einmassiert werden.
Bei länger dauernder großflächiger Verwendung von hochkonzentrierten
salizylsäurehaltigen Präparaten ist - insbesondere bei Kindern
- zu beachten, daß Salizylsäureanteile in den Organismus aufgenommen
werden und zu Schäden an den Nieren, im Zentralnervensystem sowie
im Magen-Darm-Bereich führen können. Daher ist von einer längerdauernden
Ganzkörperbehandlung mit hochkonzentrierten (5 oder 10%) salizylsäurehaltigen
Präparaten abzuraten.
Nach einigen Behandlungstagen sollten Sie jeweils eine salizylsäurefreie
Pause einlegen. Resorzin wirkt in Konzentrationen über 10 % auch
schuppenlösend. Allerdings besteht bei dieser Substanz die Gefahr
von nverträglichkeitserscheinungen (Allergie, Verfärbung blonder
Haare). Bedenklich ist, daß bei großflächigen Anwendungen
Vergiftungserscheinungen sowie Nierenschädigungen mitgeteilt wurden.
Viele Ärzte empfehlen diese Substanz daher nicht mehr. Harnstoff
kann mit seiner milderen Wirkung in Konzentrationen von etwa 20 % zur
Schuppenlösung eingesetzt werden.
Harnstoff ist ein körpereigenes Stoffwechselprodukt. Bis auf ein
gelegentliches Brennen, vor allem bei gereizter Haut, sind keine Nebenwirkungen
bekannt. Einen mild entschuppenden Effekt haben auch Bäder mit Kochsalzzusatz
in Konzentration von 5 und mehr. Hierfür eignet sich ganz einfaches,
ungereinigtes Kochsalz, zum Beispiel das "Stassfurter Steinsalz".
Eine relativ gut verträgliche Abschuppung ist auch durch eine Kombination
von Harnstoff (20 %ig) und Kochsalz (40 %ig) in geeigneter Salbengrundlage
zu erzielen. Besonders an Handflächen, Fußsohlen oder sonstigen
stark mit Schuppenauflagerungen bedeckten
Körperherden haben wir sehr gute Erfahrungen mit einer Abdeckung
der Herde über Nacht gemacht. Nach dem Aufbringen schuppenlösender
Zubereitungen werden die Herde mit einer wasserdichten Folie abgedeckt.
Hierdurch werden die Schuppen noch stärker aufgeweicht und lassen
sich dadurch leichter abheben.
- Cignolin
An erster Stelle setzen wir das in Europa bereits seit 1916 bekannte
Cignolin, auch als Dithranol bezeichnet, ein.
Das heutzutage chemisch hergestellte Cignolin leitet sich von dem Naturstoff
Chrysarobin ab, der früher aus dem brasilianischen Goabaum (Araroba)
gewonnen wurde und als gelbes kristallines Pulver in 5 %igen Salbenzubereitungen
zur Behandlung der Schuppenflechte eingesetzt wurde. Cignolin behindert
die Zellteilung und blockiert bestimmte Stoffwechselschritte in den Zellen,
so daß es zur Normalisierung der überschießenden Verhornungsvorgänge
kommt. Feingeweblich sind nach einer Cignolintherapie die vormaligen Schuppenflechteherde
entzündungsfrei, die Hautdicke ist deutlich verringert und die überschießende
Verhornung gebremst. Cignolin läßt sich je nach klinischem
Befund als Salben- oder Pastenzubereitung verwenden. Die Dosierungen liegen
zwischen 1/32 und 2 %. Unerwünschte, wenn auch harmlose Begleiterscheinungen
dieser Therapie sind bräunliche Verfärbungen der umliegenden
Haut und die Verfärbung der Wäsche, da das an sich leicht gelbliche
Cignolin an der Luft durch Umsetzungsprozesse einen bräunlichen Farbton
annimmt.
In den Kliniken wird vor allen Dingen mit Cignolinvaseline und Cignolinpaste
gearbeitet, wobei etwas Salizylsäure zugesetzt wird, um das Cignolin
haltbar zu machen. Es hat sich nämlich gezeigt, daß bereits
nach 3 Monaten ein deutlicher Wirkungsverlust beim Cignolin einsetzt,
wenn es mit Luft in Berührung kommt.
Die Dosissteigerung erfolgt stufenweise unter genauer Beachtung der Verträglichkeit.
Da die Paste exakt auf den Psoriasisherd aufgetragen werden kann, gut
haftet und kaum auf die unbefallenen Hautpartien verschmiert, ist sie
anwendungsfreundlicher als die Cignolinvaseline.
Bei der ambulanten Behandlung nicht zu ausgedehnter Herde können
wir auch Zubereitungen mit Anthralinabkömmlingen empfehlen, die sich
zum Teil leichter abwaschen lassen.
Bei vielen Patienten hat sich vor allem die Minutentherapie mit abwaschbaren
Cignolinzubereitungen bewährt, bei der die sonst sehr störende
Haut- und Wäscheverfärbung deutlich verringert ist. Wir wollen
dieses Verfahren deshalb ausführlicher vorstellen.
Minutentherapie
Voraussetzungen für eine problemlose Minutentherapie sind die fachgerechte
Anleitung und gelegentliche Kontrollen durch den behandelnden Arzt.
Morgens tragen Sie die Cignolinzubereitung auf vorher abgeschuppte Herde
auf. Begonnen wird mit der niedrigsten Dosierung (der Handel hält
hier entsprechende Fertigpräparate bereit). Je nach Verträglichkeit
wird die Salbe 10, 20 oder 30 Minuten auf der Haut belassen. In der Zwischenzeit
können Sie die übrige Morgentoilette durchführen. Anschließend
werden die Salbenreste abgewaschen oder abgeduscht und die behandelten
Areale mit einer Pflegesalbe eingecremt. Hierfür eignen sich eine
1-2%ige Salizylvaseline, eine 0,5 %ige SalizylEucerin-Creme oder auch
entsprechende Hamstoffzubereitungen. Sollte es zu stärkeren Hautreizungen
kommen, sind bis zum Abklingen der Reizung einige therapiefreie Tage einzulegen,
wobei nur pflegende Salben, eventuell mit Salizylzusatz (1 %ige Salizylvaseline
oder "weiche Salbe" = Unguentum molle) zur Anwendung kommen
sollten. Gereizte Stellen lassen sich mit einer Zink-Schüttelmixtur,
eventuell mit einem geringen Kortisonzusatz, rasch beruhigen. Es hat sich
bewährt, die Cignolinkonzentration jeden 2.-3. Tag zu steigern.
Ist die vom Arzt festgelegte maximale Cignolinkonzentration erreicht,
legt der Patient 1-2 freie Tage mit Abbaden und Pflege ein, anschließend
beginnt er wieder mit niedrigen Prozentzahlen, die er bis zur maximalen
Verträglichkeit steigert. Bei ständig nachschuppenden Herden
kann über Nacht zusätzlich eine 3-5 %ige Salizylsäuresalbe
aufgetragen werden. Meistens reichen 2-3 dieser Zyklen aus, um ein gutes
Therapieergebnis zu erzielen. Die erreichte Verbesserung läßt
sich zum Teil über Monate erhalten, wenn Sie die betroffenen Stellen
weiterhin mit einer Pflegesalbe eincremen.
Beim sogenannten "on/off-Schema" wird eine Dithranolsalbe von
den Füßen beginnend aufgetragen, bis alle Herde behandelt sind.
Danach kann von unten nach oben abgewaschen werden. Die kurze Einwirkzeit
(1-2 Minuten) reicht oft bei einer nicht so stark ausgeprägten Schuppenflechte
aus. Kombinationen einer Cignolintherapie mit Teerbädern und/oder
ultraviolettem Licht (siehe Seite 66) sind zur Wirkungsverstärkung
möglich. Diese aufwendigeren Verfahren bleiben aber in der Regel
den Kliniken vorbehalten.
Sie werden vielleicht feststellen, daß nach einer erfolgreichen
Cignolintherapie die behandelten Herde deutlich heller werden als die
umgebende Haut. Hier handelt es sich um pigmentarme Areale (psoriatische
Leukoderme), die keinen Krankheitswert haben und nach unterschiedlicher
Zeitdauer wieder eine normale Hautfarbe annehmen. Auch stärkere Pigmentierungen
(dunklere Hautstellen) können eine Zeitlang bestehenbleiben. Nachjahrelanger
Anwendung in der Praxis und nach vielen Untersuchungen können wir
sagen, daß bei einer Cignolintherapie keine Schädigung der
Gesundheit zu befürchten ist.
Bei empfindlichen Patienten kann es nach einem unexakten Auftragen der
Zubereitungen zu Hautreizungen um die Schuppenflechteherde herum kommen.
Es ist die Kunst des behandelnden Arztes, den Konzentrationsgehalt des
Cignolins zügig zu steigern, überschießende Entzündungsreaktionen
aber zu verhindern. Eine stärkere Rötung, gelegentlich auch
ein leichtes Brennen
im Schuppenflechteherd sind unbedenklich: "Die Schuppenflechte verbrennt
im eigenen Feuer", wie wir sagen.
Eine Therapie mit Cignolin kann ohne Wirkverlust immer wieder neu begonnen
werden.
Tioxolon
Dieser Stoff ist ein schwefelhaltiges, industriell hergestelltes Synthetikum,
dessen Wirkungsweise etwa den Teerpräparaten entspricht (siehe unten).
Zusätzlich besitzt diese Substanz eine schuppenlösende Wirkung.
Da sie farb- und geruchlos ist, können wir sie vor allem zur Behandlung
von Schuppenflechteherden auf dem Kopf empfehlen. Die Anwendung sollte
zunächst auf 8-10 Tage begrenzt werden und wegen möglicher überschießender
Reaktionen (starke Rötung) unter ständiger Kontrolle stehen.
Da Lichtstrahlen die chemische Reaktion des Tioxolons unkalkulierbar verstärken
können, sollte eine Besonnung oder eine künstliche Bestrahlung
während dieser Therapie strikt unterbleiben, obwohl wir ja sonst
sehr gerne Sonnen- und Ultraviolettbestrahlungen wegen ihrer guten Wirkung
auf die Schuppenflechte durchführen.
Teere
Teere sind Destillationsprodukte aus Holz oder Kohle und stellen ein Gemisch
der verschiedensten Inhaltsstoffe dar. Besonders bekannt sind Steinkohlenteer
und die Holzteere wie Nadelholz-, Wacholder-, Birkenholz- und Buchenholzteer.
Die in diesen Teeren enthaltenen Stoffe wirken entzündungshemmend,
schuppenlösend und zum Teil hautverdünnend. Die genauen Wirkungsmechanismen
dieser Effekte auf die Schuppenflechte sind allerdings nicht bekannt.
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Aus Wacholderholz werden natürliche Teere destilliert
Wir verwenden Teere in Salben, Pasten und Schüttelmixturen in Konzentrationen
von 10-20 %. Besonders stark verdickte Schuppenflechteherde erfordern
gelegentlich auch hochkonzentrierte Teerzubereitungen.
Zusätzlich gibt es Teerauszüge (z. B. Liquor carbonis detergens,
ein mit alkoholischer Seifenrinden-Lösung aus Steinkohlenteer hergestellter
Auszug), die in passende Grundlagen wie weiche Salbe (Unguen-tum molle)
eingearbeitet werden können. Sie sind besonders zur Nachbehandlung
geeignet. Außerdem lassen sich Teere mit schäumenden Zusätzen
zur Schuppenlösung, Juckreizstillung und Entzündungshemmung
mit gutem Erfolg auf dem behaarten Kopf einsetzen.
Die Anwendung von Teerpräparaten wird leider dadurch etwas eingeschränkt,
daß sich viele Patienten über die Geruchsbelästigung beschweren
und außerdem eine Verschmutzung der Wäsche nicht auszuschließen
ist. Im wesentlichen wird die Behandlung mit Teerpräparaten daher
auch in Kliniken durchgeführt.
Bei einer entsprechenden Empfindlichkeit können in der Haut gelegentlich
Entzündungen an den Haarausführungsgängen (Folliculitis)
auftreten. Bei einer direkten Besonnung teerbehandelter Herde kommt es
zu lichtbedingten Effekten, die wir unter besonderen Voraussetzungen im
Rahmen einer Kombinationstherapie mit Teerpräparaten und ultraviolettem
Licht gezielt nutzen.
Die seit längerer Zeit diskutierte Frage, inwieweit Teerprodukte
Krebs hervorrufen können, ist bis auf weiteres mit der Beobachtung
zu beantworten, daß bei Patienten mit Schuppenflechte während
der jahrzehntelang angewandten Teertherapie kein erhöhtes Auftreten
von Hautkrebsen festzustellen war. Um eine mögliche Aufnahme von
Teerbestandteilen in den Organismus zu verhindern, sollten jedoch vorsichtshalber
großflächige Behandlungen der Haut mit reinem Steinkohlen-
oder Holzteer nicht vorgenommen werden.
Seit kurzem gibt es im Handel schwächer färbende bis ganz entfärbte,
zum Teil sogar geruchsneutrale Präparationen, die vor allem auf dem
behaarten Kopf eine gute Wirkung zeigen und auch ambulant problemlos'
angewendet werden können.
Kortikosteroide
Die örtliche Anwendung von Kortisonpräparaten ist wieder in
den Hintergrund getreten, nachdem viele Jahre lang allzu leichtfertig
mit diesen wertvollen Medikamenten umgegangen wurde.
Stark verdickte, lang bestehende Körperherde, besonders im Kreuzbein-,
Ellbogen- und Kniebereich, sind immer noch am wirksamsten mit einer kurzzeitigen,
lokalen Kortisontherapie zu behandeln. Auch bei Befall der Handflächen,
Fußsohlen und des behaarten Kopfes sowie bei durch die Schuppenflechte
bedingten Nagelveränderungen können wir besondere Kortisonzubereitungen
mit gutem, raschen Erfolg einsetzen. Folgende Regeln müssen wir aber
streng beachten, um eine gute Wirkung zu erzielen und unerwünschte
Erscheinungen zu vermeiden.
- Grundsätzlich sollte keine Langzeittherapie durchgeführt werden,
besonders nicht bei großflächiger Anwendung sowie unter Abschlußbedingung
(Okklusivbehandlung). Möglichst keine Anwendung im Gesicht und in
Bereichen, in denen Haut auf Haut liegt, vor allem auch am Hodensack.
- Aufgrund der an diesen Stellen wenig verhornten und damit dünneren
Haut ist neben einer Hautschädigung auch eine unerwünschte Aufnahme
von Kortison in den Gesamtorganismus möglich.
- Im allgemeinen genügt eine Kortisonanwendung täglich, da im
Hornschichtbereich ein Depot gebildet wird, aus dem eine langsame Wirkstoffabgabe
an die tieferen Hautschichten erfolgt.
- Nach Erzielung eines eindeutigen Therapieerfolges sollte rasch auf andere
Zubereitungen wie Teerpräparate (durch Kortison wird die Haut für
Teer "reif `) oder auch Cignolin übergegangen werden.
Bei einer zu langen Dauer der Kortisontherapie ist relativ häufig
mit einer raschen Verschlechterung oder dem Wiederauftreten der Schuppenflechteherde
zu rechnen. Wenn auch unter Kortison eine schnellere Rückbildung
der Schuppenflechteherde einsetzt, ist generell keine Überlegenheit
der lokalen Kortisontherapie gegenüber Cignolin nachgewiesen, auch
nicht im Hinblick auf die Dauer der Erscheinungsfreiheit.
Ganz im Gegenteil: Nach dem Absetzen des Kortisons treten Rückfälle
meist beschleunigt auf.
Wann ist eine örtliche Kortisonbehandlung sinnvoll und vertretbar?
Aus unseren Erfahrungen heraus ist eine kurzzeitige örtliche Kortisontherapie
in folgenden Fällen zu empfehlen:
Behaarter Kopf: Man trägt eine kortisonhaltige Lösung (speziell
zur Anwendung auf behaarten Bereichen) eventuell mehrmals hintereinander
auf und reibt danach die Herde mit einer Kortisoncreme ein. Zur Wirkungsverstärkung
können die behandelten Areale für Stunden oder über Nacht
mit einer Badeoder Duschhaube abgedeckt werden. Morgens wäscht man
die Salbenreste notfalls mit teerhaltigen Waschmitteln aus. Zwischen den
Kortisonbehandlungen können immer wieder salizylsäurehaltige
oder auch Cignolinpräparate eingesetzt werden. Nach einer deutlichen
Rückbildung der Herde empfehlen wir möglichst rasch den Übergang
auf kortisonfreie Präparate, z.B. Cignolin oder auch Calcipotriol.
Hand- und Fußflächen sowie stark verdickte Körperherde:
Nach der Schuppenlösung werden die Herde mehrmals hintereinander
mit einer alkoholischen Kortisonlösung eingerieben. Anschließend
wird eine kortisonhaltige Salbe aufgetragen und für mehrere Stunden
bzw. über Nacht ein feuchtigkeitsundurchlässiger Verband angelegt
(an den Händen auch Plastikhandschuhe). Die sich unter der Abdeckung
ansammelnde Feuchtigkeit beschleunigt das Eindringen der Wirkstoffe in
die Schuppenauflagen.
Tagsüber reicht meist eine Pflege mit salizylhaltigen Salben aus.
Bei sehr hartnäckigen Herden setzen wir abwechselnd zusätzlich
Teer bzw. Cignolinzubereitungen ein. Nägel: Die Behandlung der Nagelplatte
und der Nagelbildungsstätte wird häufig durch die zum Teil hochgradig
verdickten Nägel behindert. In solchen Fällen empfehlen wir
unseren Patienten, den Nagel chemisch (hochkonzentrierte Harnstoffzubereitungen)
oder mechanisch (Fräse) abzutragen. Erst danach hat das mehrmalige
Auftragen einer alkoholischen Kortisonlösung Sinn. Anschließend
wird eine kortisonhaltige Salbe aufgetragen und über Nacht ein Okklusionsverband
angelegt. Leider sind die Behandlungserfolge jedoch meist recht bescheiden.
Nach dem Abklingen des aktiven Prozesses kann man versuchen, einen Nagelplattenersatz
auf dem Nagelbett zu befestigen. Sonstige Körperherde: Hier kommen
vor allem lange bestehende, stark verdickte Bezirke für eine örtliche
Kortisontherapie in Frage. Man pinselt zur Nacht eine Kortisonlösung
auf die abgeschuppten Stellen, trägt danach eine Kortisonsalbe auf
und deckt sie mit einer Plastikfolie ab. Tagsüber können Teerlösungen
oder auch Cignolinaufbereitungen die Behandlung ergänzen. Nach einer
Rückbildung der Herde kann oft mit Calcipotriol oder Cignolin weiterbehandelt
werden. Bei Beachtung dieser Therapiehinweise sind unerwünschte Reaktionen
auf das Kortison nach unserer langjährigen Erfahrung nicht zu erwarten.
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