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SCHWANGERSCHAFT
Wir haben bereits darauf hingewiesen, daß die Veranlagung für
die Schuppenflechte vererbt wird, es handelt sich also um eine Erbkrankheit.
Man muß aber berücksichtigen, daß der Verlauf von Mensch
zu Mensch sehr unterschiedlich ist, und daß der Schweregrad der
Erkrankung bei den Eltern keine Aussage über die zu erwartende Schwere
des Krankheitsbildes bei den Kindern erlaubt. Sind beide Elternteile Träger
genetischer Risikofaktoren, so steigt allerdings die Wahrscheinlichkeit,
daß das Kind eine Psoriasis entwickeln wird, auf 60-70 % an. Die
Schuppenflechte ist aber auf keinen Fall eine Erkrankung, wegen der von
einer Schwangerschaft abzuraten wäre, und sie ist auch keine Erkrankung,
bei der nur unter bestimmten Bedingungen eine Schwangerschaft eintreten
sollte. Wie schon mehrmals beschrieben, können oft mehrere Generationen
gar nicht oder nur in einer kaum bemerkbaren Form davon betroffen sein,
der Verlauf ist in jedem Einzelfall nicht vorhersehbar. Im folgenden Abschnitt
beantworten wir die Fragen, die uns Patienten und Eltern in der Praxis
am häufigsten stellen, und die bei der Planung einer Schwangerschaft
auf jeden Fall berücksichtigt werden sollten.
Bei der Mutter stellen sich während der Schwangerschaft deutliche
Veränderungen im Hormonhaushalt ein, und man weiß, daß
hormonelle Faktoren bei der Schuppenflechte eine Rolle spielen. Es läßt
sich allerdings keine allgemein verbindliche Regel finden, die erklären
könnte, warum in einem Fall während der Pubertät oder der
Schwangerschaft eine Besserung, in einem anderen Fall dagegen eine Verschlechterung
auftritt.
Die Erscheinungsformen sind von Person zu Person so unterschiedlich, daß
es unmöglich ist, den Verlauf vorherzusehen. Es ist auch nicht gesagt,
daß sich beispielsweise eine Besserung während der ersten Schwangerschaft
bei einer zweiten in der gleichen Form wiederholen wird. Man geht davon
aus, daß hier noch eine Reihe weiterer Einflußfaktoren eine
Rolle spielen, wie z. B. Alter, psychische Verfassung, soziale Umstände
und vieles mehr. Mit der stetig wachsenden Zahl von Behandlungsmöglichkeiten
wird es immer leichter, während der Schwangerschaft auf einige Methoden
zu verzichten, die das Kind möglicherweise belasten könnten.
Nach einer Umstellung der bisherigen Behandlung kann eventuell eine Verschlechterung
des Krankheitsbildes eintreten. Doch welche Mutter würde nicht eine
(zeitweilige) Verschlechterung akzeptieren, wenn dadurch das Kind gesund
heranwachsen kann. Sprechen Sie vor einer geplanten Schwangerschaft mit
dem behandelnden Arzt, damit er die Therapie bei Bedarf frühzeitig
umstellen oder eine geplante neue Therapieform bis nach der Schwangerschaft
verschieben kann. Hier ist vor allem an Vitamin-A-Derivate zu denken,
von denen in Deutschland Acitretin (Neotigason) zur Behandlung der Schuppenflechte
eingesetzt wird.
Dieses Medikament darf bei Frauen nur bei gleichzeitiger Empfängnisverhütung
eingesetzt werden. Nach Absetzen des Medikamentes darf innerhalb der folgenden
zwei Jahre keine Schwangerschaft eintreten. Der Einsatz von Cremes, Salben
(auch äußerlich anzuwendende kortisonhaltige Präparate)
und eine äußerliche Lichttherapie zur Behandlung der Schuppenflechte
sind während der Schwangerschaft unbedenklich.
Am wichtigsten ist, daß Sie sich lange vor einer Schwangerschaft
von einem Arzt Ihres Vertrauens beraten lassen.
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