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MEDIKAMENTE ZUM EINNEHMEN BEI SCHUPPENFLECHTE
Kortikosteroide
In den sechziger Jahren wurde der Einsatz von Kortikosteroiden zur Behandlung
der Schuppenflechte mit großer Begeisterung aufgenommen, da anfänglich
ein sehr rasches Ansprechen der verschiedensten Schuppenflechteformen
zu verzeichnen war. Endlich schien der Durchbruch geschafft, und viele
leidgeprüfte Patienten - aber auch die behandelnden Ärzte -
atmeten zunächst auf. Besonders rasch sprachen die akut auftretenden
Formen (exanthematische Bilder) auf relativ niedrige Kortisondosen an.
Die chronischen, stationären Formen waren weniger gut beeinflußbar.
Leider mußte man aber bald feststellen, daß bereits nach einer
Verringerung der Kortisondosis, vor allem aber nach Absetzen des Medikamentes,
schnell und zum Teil schwer verlaufende Rückfälle auftraten
(Reboundeffekte). In der Folge mußten weitere Kortisongaben in wesentlich
höherer Dosierung gegeben werden, was zu beträchtlichen Nebenwirkungen
führte. Erste erfolglose Behandlungen der Schuppenflechte mit Kortison
wurden bekannt. In manchen Fällen entwickelten sich neue Schuppenflechteschübe
in eine vollkommen neue Richtung, aus vulgären Schuppenflechteformen
entstanden zum Beispiel pustulöse Formen. Nur in lebensbedrohlichen,
sonst nicht zu beherrschenden Fällen (Ganzkörperbefall), kann
durch die Einnahme von Kortison anfänglich rasch eine Rückbildung
erzielt werden. Sobald die Schuppenflechte abheilt, muß man die
Kortisoneinnahme unverzüglich beenden und durch andere Behandlungsmethoden
ersetzen.
Methotrexat
Methotrexat (MTX) wird seit über 30 Jahren als Mittel zur Behandlung
der Schuppenflechte eingesetzt und hat vor allem in den USA einen festen
Platz in der Psoriasistherapie. Methotrexat behindert bzw. verzögert
die überschießende Zellvermehrung bei verschiedenen Krankheiten.
Bei der Schuppenflechte verringert dieses Medikament die gesteigerte Vermehrung
der verhornenden Hautzellen, verringert Entzündungszeichen und wirkt
auch günstig auf die entzündlichen Gelenkveränderungen
von Schuppenflechtepatienten, ein sehr wesentlicher Wirkungsvorteil gegenüber
anderen Medikamenten. Als geeignet für eine Methotrexatbehandlung
haben sich sonst nicht zu beherrschende, schwerste Schuppenflechteformen
erwiesen, wie die generelle Rötung (Erythrodermie), pustulöse
Erscheinungsbilder und Gelenkerkrankungen. Als Voraussetzung müssen
aber zu Therapiebeginn normale Leber-, Nieren- und Knochenmarkfunktionen
bestehen; es dürfen keine Infektionserkrankungen oder Magen-Darm-Geschwüre
vorliegen, und eine Schwangerschaft muß ausgeschlossen sein.
Besondere Beachtung erfordert die gleichzeitige Einnahme von weiteren
Medikamenten. Wir kennen eine Reihe von Unverträglichkeitsreaktionen,
wenn Methotrexat zusammen mit anderen Arzneimitteln (Rheumamittel, Barbiturate,
Antibiotika vom Typ Trimethoprim, Hormonmittel zur Schwangerschaftsverhütung
und weitere) eingenommen wird. Eine Methotrexatbehandlung erfordert also
eine dauernde Rücksprache mit dem Arzt und ständige Kontrolle.
Methotrexat kann als Tablette eingenommen sowie intramuskulär oder
intravenös gespritzt werden. Im Laufe der Jahre sind verschiedene
Dosierungsempfehlungen herausgearbeitet worden. Als bekannteste wird das
"Weinsteinschema" eingesetzt, nach dem pro Woche 3 x im 12-Stunden-Abstand
2,5-7,5 mg Methotrexat eingenommen werden. Die Wirkung auf die Zellteilungsrate
in der Schuppenflechtehaut tritt nach 3 x 5 mg Methotrexat innerhalb von
etwa 36 Stunden auf und bleibt für 6-8 Tage bestehen. Bei gutem Ansprechen
dehnen wir die Zyklen aus oder legen behandlungsfreie Intervalle ein.
Da allerdings die Aufnahme des Medikamentes aus dem Darm nicht konstant
ist (teilweise gelangt nur ein Drittel der eingenommenen Dosis in den
Körper) und bei Personen mit einem empfindlichen Verdauungssystem
Befindlichkeitsstörungen auftreten können, ziehen wir häufig
eine intramuskuläre Behandlung vor. Wir geben in der 1. Woche einmalig
5-10 mg Methotrexat intramuskulär oder intravenös, gefolgt von
20-25 mg in der 2. Woche, danach erfolgt bei gutem Ansprechen eine langsame
Verringerung der Dosis auf 7,5 bzw. 5 mg pro Woche. Insgesamt ist bei
etwa 75 % der Patienten nach etwa 2 bis 6 Wochen mit einer Besserung des
Zustandes zu rechnen. Da Methotrexat über die Leber abgebaut wird,
müssen vor Therapiebeginn vorbelastende Risikofaktoren im Hinblick
auf eine Leberschädigung ausgeschlossen werden. Dazu gehören
vor allem Leberstoffwechselstörungen, Lebererkrankungen, Alkoholabhängigkeit,
hochgradiges Übergewicht und Blutzucker-Stoffwechselstörungen
(Diabetes mellitus). Auch Nierenfunktionsstörungen sind zu berücksichtigen.
Um schädigende Wirkungen von Methotrexat auf die Leber frühzeitig
erkennen zu können, wird empfohlen, mindestens in halbjährlichen
Abständen Ultraschalluntersuchungen der Leber durchführen zu
lassen. Von grundsätzlicher Bedeutung sind die zunächst wöchentlich
durchzuführenden Untersuchungen des Leberstoffwechsels (Transaminasen),
der Nierenfunktion und des Blutbildes. Die Gesamtmenge an Methotrexat
sollte wegen möglicher Leberzellschädigungen 1,5-2,0 Gramm nicht
überschreiten.
Sollte es zu akuten Unverträglichkeiten kommen, steht uns als verläßliches
Gegenmittel Leucovorin (Calciumfolinat) zur Verfügung, das in einer
Dosierung von 20 mg intravenös verabreicht wird und rasch zu einer
Behebung der Störungen führt.
Trotz der möglichen unerwünschten Wirkungen von Methotrexat,
die allerdings bei genauer Beachtung der Behandlungsregeln kaum auftreten,
bedeutet dieses Medikament für eine Reihe von Patienten eine große
Erleichterung.
Vitamin A
Bei Vitamin-A-Mangel treten besonders Sehstörungen (Nachtblindheit),
aber auch Veränderungen an der Haut und den Schleimhäuten auf.
Auf der Haut bilden sich überschießende Verhornungen aus, so
daß sie letztlich an die warzige Oberfläche von Krötenhaut
erinnert (Phrynoderm). Mit der Gabe von Vitamin A können diese Veränderungen
behoben werden. Es lag also nahe, bei Hauterkrankungen mit Verhornungssstörungen
auch Vitamin A einzusetzen. Bei der Schuppenflechte wurden anfangs vereinzelt
gute Erfolge erzielt, allerdings wurden sehr hohe Dosen von 200.000-400.000
Einheiten/Tag und mehr verordnet. Dies führte nach unterschiedlicher
Anwendungsdauer leider zu unerwünschten Wirkungen wie Übelkeit,
Erbrechen, Haarausfall, Austrocknen der Schleimhäute, Gelenkschmerzen
und letztlich auch zu Leberschäden. Da die Schuppenflechte insgesamt
nur sehr unzuverlässig auf die Therapie ansprach, wurde diese Therapieform
wieder aufgegeben. Durch Veränderungen am VitaminA-Molekül gelang
es in den letzten Jahrzehnten, eine große Zahl von neuen Substanzen
herzustellen, die wir als Retinoide bezeichnen.
Retinoide
Vom Vitamin A (Vitamin-A-Alkohol = Retinol) lassen sich natürliche
und synthetische Abkömmlinge ableiten. Zur ersten Generation der
Vitamin-A-Derivate gehörte die Vitamin-A-Säure, die jedoch aufgrund
des gleichen Nebenwirkungsspektrums wie Vitamin A nicht weiter zur inneren
Behandlung der Schuppenflechte und ähnlicher zur Verhornung neigender
Erkrankungen eingesetzt wurde. Im Gegensatz dazu zeigte ein Retinoid der
zweiten Generation (Etretinat) eine deutliche Wirkung bei verschiedenen
Schuppenflechteformen. Seit kurzer Zeit ist diese Substanz durch eine
Weiterentwicklung, das Acitretin, abgelöst worden. Vor allem die
sehr schweren Formen wie die pustulöse Schuppenflechte an Händen
und Füßen oder ein Ganzkörperbefall sowie die psoriatischen
Erythrodermien sprechen häufig sehr gut an. Die typische, flächig
infiltrierte Schuppenflechteform zeigt zwar eine Abflachung der Herde
und eine Verringerung der überschießenden Schuppenbildung,
eine vollständige Rückbildung läßt sich jedoch mit
Etretinat/Acitretin allein nur selten erreichen.
Fragen wir nach dem Wirkungsprinzip von Etretinat/Acitretin, ist eine
voll befriedigende Antwort zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich.
Soweit bekannt, steht eine Normalisierung der vormals krankhaft gestörten
Verhornungsvorgänge im Vordergrund. Dies führt zu einer Verringerung
der starken
Hautdicke, entzündliche Veränderungen bilden sich zurück.
Zur Behandlung der sehr schweren Schuppenflechteformen setzen wir normalerweise
0,5 mg/kg Körpergewicht/Tag Acitretin als Kapseln ein, wobei wir
anfangs 30 mg/Tag nur in Ausnahmefällen überschreiten (die Maximaldosis
beträgt 75 mg/Tag).
Mit Beginn der Lippenaustrocknung und möglicher Hauttrockenheit reduzieren
wir die Dosis individuell bis zu einer für jeden Patienten eigenen
verträglichen Erhaltungsdosis. Die angesprochenen austrocknenden
Effekte sind harmlos und können durch Pflegecremes und Ölbäder
beseitigt werden.
Bei der erythrodermalen Schuppenflechte hat sich die einschleichende
Dosierung mit eingangs 0,1 mg/kg/Tag bewährt, weil dies am günstigsten
wirkt, ohne Hautreizungen nach sich zu ziehen. Bei Ganzkörperbefall
mit pustelförmiger Schuppenflechte sind dagegen meist Größenordnungen
von 0,75 mg/kg/Tag erforderlich.
Eine deutliche Rückbildung ist auch bei diesen schweren Zuständen
häufig bereits nach 3 Wochen Therapie festzustellen.
Ein wesentlicher Nachteil der Retinoide liegt in ihrem hohen keimschädigenden
Risiko: Unter der Retinoidtherapie können Mißbildungen und
schwere Schädigungen der Leibesfrucht auftreten. Daher ist eine Therapie
mit Acitretin bei Frauen im gebärfähigen Alter sehr problematisch
(sicherer Empfängnisschutz bis zwei Jahre nach Abbruch der Therapie
erforderlich) und nicht zu empfehlen. Bei empfindlichen Patienten können
ein Anstieg der Blutfette sowie eine Störung des Leberstoffwechsels
eintreten. Entsprechende Blutuntersuchungen und Kontrollen helfen uns
bei der Überwachung. Die unterschiedlich ausgeprägte Trockenheit
der Haut und der Schleimhäute, zum Teil mit einer Abschuppung der
Haut an Handflächen und Fußsohlen, sind durch pflegende Maßnahmen
mit Salben, Lippenstiften und Bädern meist zu beherrschen.
Nach einer Reduzierung der Dosis und nach dem Absetzen des Medikamentes
verschwinden die unerwünschten Begleitreaktionen vollständig.
Bei Kindern und Jugendlichen sollte man auf eine Retinoidtherapie möglichst
verzichten, da die Knorpelbildung gestört werden kann.
Zur Dauertherapie wird Acitretin nicht empfohlen. Bei gut zurückgebildeten
Herden sollte man möglichst auf eine andere Behandlungsform übergehen.
NEUE MEDIKAMENTE
Neben den bisher vorgestellten Substanzen und Therapieformen gibt es eine
ganze Reihe von Medikamenten mit teils gesicherter, teils unsicherer Wirkung
auf die Schuppenflechte, die momentan besonders intensiv erforscht werden.
Im folgenden wollen wir Ihnen die erfolgversprechendsten Substanzen vorstellen.
Cyclosporin A
Diese Substanz ist ein von bestimmten Pilzen produziertes Stoffwechselprodukt.
Cyclosporin A wird seit vielen Jahren nach Organverpflanzungen als sehr
wirksames Medikament zur Verhinderung der Abstoßreaktion eingesetzt.
Eher zufällig wurde man Mitte der 70er Jahre darauf aufmerksam, daß
Cyclosporin A bei verschiedenen Schuppenflechteformen einen rückbildenden
Effekt zeigt. Die Wirkung von Cyclosporin A auf die Schuppenflechte ist
zum jetzigen Zeitpunkt nicht befriedigend geklärt. Es wird vermutet,
daß ein wesentlicher Wirkmechanismus in der Hemmung von T-Lymphozyten
(Immunzellen) besteht und vor allem T-Helfer-Lymphozyten in ihrer überschießenden
Aktivität gebremst werden. Mittlerweile liegt uns eine sehr große
Zahl von Erfahrungen vor, die bei unterschiedlichen Cyclosporindosierungen
über eine deutliche Rückbildung der Schuppenflechte berichten.
Auch unsere eigenen Erfolge mit dieser Substanz sind ermutigend. Die zunächst
eingesetzten hohen Dosierungen bis zu 15 mg/kg/Tag wurden langsam reduziert;
zum Teil kommt man schon mit lediglich 1 mg/kg/ Tag aus. Die Rückbildung
der Schuppenflechteherde erfolgt meist schon nach 2 Wochen. Für den
Arzt und besonders für den Patienten ist es faszinierend, wie sich
innerhalb weniger Wochen die Schuppenflechte regelrecht zurückzieht.
Es hat sich gezeigt, daß eine Dosierung von 2,5-3 mg/kg/ Tag als
günstigste Einstiegsdosierung zu werten ist. Cyclosporin A wird dabei
in einer Lösung oder als Kapsel auf 2 Tagesgaben verteilt eingenommen.
Die guten Therapieergebnisse bleiben im allgemeinen während der gesamten
Cyclosporineinnahme bestehen. Nach Absetzen des Medikamentes kommt es
dann innerhalb eines individuellen Zeitraums - meist jedoch nach wenigen
Wochen - zum langsamen Auftreten neuer Herde. Eine Verschlimmerung oder
eine Änderung des Schuppenflechtetyps wie bei der innerlichen Kortisonbehandlung
ist bislang nicht bekannt geworden.
Wenn ein Medikament so eindrucksvoll wirkt, ist meist leider auch mit
unerwünschten Reaktionen zu rechnen.
Das dosisabhängige Nebenwirkungsspektrum beinhaltet Nierenschädigungen,
Blutdruckerhöhung, Erhöhung der Cholesterin- und Triglyzeridwerte,
Störungen in der Mineralienzusammensetzung des Blutes sowie gelegentlich
auch einen Harnsäureanstieg. Je niedriger die Dosierung gewählt
werden kann, desto seltener gibt es unerwünschte Reaktionen. Nach
dem Absetzen der Therapie normalisieren sich die veränderten Werte
in der Regel wieder. Vorübergehend können Magen-Darm-Störungen
und Nervenreizungen auftreten. Auch diese unerwünschten Reaktionen
verschwinden nach dem Absetzen der Behandlung.
Es gibt eine Reihe von Medikamenten, die den Blutspiegel von Cyclosporin
A erhöhen oder erniedrigen können. Der Arzt muß also unbedingt
wissen, ob und welche Medikamente Sie zusätzlich einnehmen!
Cyclosporin A ist eine vielversprechende Substanz zur Behandlung schwerster
Schuppenflechteformen, die auf eine übliche medikamentöse Therapie
nicht ansprechen. Seit 1992 ist dieses Medikament als Arzneimittel im
Apothekenhandel. Engmaschige Kontrollen durch den Arzt und die verläßliche
Mitarbeit der Patienten sind wichtige Voraussetzungen, um eine sichere
Wirkung zu erzielen und unerwünschte Reaktionen zu vermeiden.
Vitamin-D3- Abkömmlinge
Zufällig wurde bei einem Patienten, der aufgrund einer Knochenerkrankung
mit Vitamin D3 behandelt wurde, beobachtet, daß sich eine gleichzeitig
bestehende Schuppenflechte deutlich besserte. Daraufhin wurden Versuche
mit Verwandten des Vitamin D3 durchgeführt, die zum Teil bei sehr
niedrigen Dosierungen bereits einen günstigen Effekt auf die Schuppenflechte
zeigten. Da Vitamin D und seine Abkömmlinge den Kalziumstoffwechsel
beeinflussen, kann man hier immer nur sehr niedrige Dosierungen wählen,
die die Schuppenflechte aber meistens nicht befriedigend beeinflussen
können. Um die günstige Wirkung dennoch nutzen zu können,
wurden in klinischen Studien Vitamin-D3-Abkömmlinge in Salbenform
zur Behandlung der Schuppenflechte eingesetzt. Für den Vitamin-D3-Abkömmling
Calcipotriol liegen bereits erfolgreiche Behandlungsergebnisse vor. Diese
Substanz lagert sich wie das natürliche, im menschlichen Organismus
vorkommende Vitamin D3 an Zellen in der Haut und hemmt dort die Teilung
und die Verhornung der Zellen. Calcipotriol wird als Salbe in einer Konzentration
von 50 ug/Gramm 2 x täglich auf die befallenen Hautstellen aufgetragen.
Eine sichtbare Rückbildung der Schuppenflechteherde ist nach 4 bis
8 Wochen zu erzielen. Insgesamt sollten nicht mehr als 100 g Salbe pro
Woche verwendet werden, da die sonst in den Organismus aufgenommene Calcipotriolmenge
zu Störungen im Kalziumstoffwechsel führen kann.
Als gelegentlich auftretende unerwünschte Wirkung kann es zu einer
stärkeren Hautrötung um die Schuppenflechteherde herum kommen,
die jedoch meist während der Behandlungszeit wieder zurückgeht.
Wenn Patienten auf die Salbentherapie nicht genügend ansprechen,
kann man eine Kombination mit der UV-B-Behandlung (siehe Seite 64) versuchen.
Erst erfolgt eine Bestrahlung, dann wird die Salbe aufgetragen. Meist
kann man so eine weitere Rückbildung erzielen. Insgesamt sprechen
die bis heute vorliegenden Behandlungsergebnisse dafür, daß
mit Calcipotriol eine weitere Substanz Eingang in die Behandlungspalette
der Schuppenflechte gefunden hat. Besonders mit Calcipotriolsalbe lassen
sich Schuppenflechteherde auch auf dem behaarten Kopf vollkommen zur Abheilung
bringen. In der Bundesrepublik Deutschland wurde das Präparat Anfang
1993 zugelassen.
Fumarsäure und Fumarsäureester
In den letzten Jahren wurde vor allem in der Presse zunehmend über
sensationelle Erfolge mit diesen Substanzen berichtet. Wir haben uns intensiv
mit der Fumarsäure und ihren Verbindungen beschäftigt, um einen
Eindruck von ihrer Wirksamkeit auf die Schuppenflechte zu erhalten.
Da sich manch einer von Ihnen sicherlich schon einmal überlegt hat,
ob er diese Substanzen einnehmen soll, wollen wir etwas näher auf
die Präparate eingehen. Die Fumarsäure kommt in Pflanzen, z.
B. im Erdrauch (Fumaria officinalis) und im Isländischen Moos sowie
in verschiedenen Pilzen vor. Der Einsatz der Fumarsäure und ihrer
Derivate geht auf die Untersuchungen von Schweckendiek zurück, der
im Eigenversuch eine Rückbildung von Schuppenflechteherden feststellte.
Bis zum heutigen Tag wurde eine Reihe von Studien durchgeführt, die
zu sehr unterschiedlichen Aussagen über die Wirksamkeit bei verschiedenen
Schuppenflechteformen führten. Im Rahmen der ungezielten, in vielen
Fällen ärztlich nicht kontrollierten Eigenbehandlungen mit Fumarsäureabkömmlingen
sind in letzter Zeit zunehmend Nebenwirkungen bekanntgeworden. An erster
Stelle stehen Nierenfunktionseinschränkungen, die nach Tabletteneinnahme,
aber auch nach einer langzeitigen äußerlichen, lokalen Behandlung
mit Fumarsäuremonoethylester aufgetreten sind. Außerdem wurden
Verminderungen der Zahl der weißen Blutkörperchen, Durchfälle
und Magen-Darm-Störungen mitgeteilt. Hautreizungen wie ausgeprägte
Rötungen und auch nesselsuchtartige Erscheinungen wurden beschrieben.
Der Wirkungsmechanismus der Fumarsäure und ihrer Abkömmlinge
ist unklar. Reine Fumarsäure ist aber wohl wirkungslos. Die vorliegenden
Daten für eine Dosierung, Aufnahme in den Organismus, Abbau der Fumarsäureester
sowie mögliche Reaktionen mit anderen Medikamenten sind noch unzureichend
oder fehlen gänzlich. Da also aufgrund der vorliegenden Untersuchungen
eine Abschätzung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses nicht erfolgen
kann, können wir bis auf weiteres Fumarsäureester zur Behandlung
der Schuppenflechte nicht empfehlen, obwohl bereits vor kurzem in Deutschland
ein Präparat zugelassen wurde.
Fischöl
In den letzten Jahren sind Berichte bekanntgeworden, nach denen Fettsäurezubereitungen
(Omega-3-Fettsäuren) zur Begleitbehandlung der Schuppenflechte erfolgreich
eingesetzt werden können. Diese vor allem in Fischöl vorkommenden
Fettsäuren sollen eine Verringerung der Entzündungsreaktionen
in der Haut hervorrufen. Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß
bei Eskimos, die sich überwiegend von Fischen ernähren, nur
sehr selten eine Schuppenflechte auftritt.
In einer Reihe von Studien konnten positive Auswirkungen auf Hautrötung,
Hautdicke, Schuppung und Juckreiz festgestellt werden. Allerdings gelang
eine vollständige Rückbildung der Schuppenflechte anscheinend
nur in einem einzigen Fall. Die verordneten Dosierungen lagen bei bis
zu 50 g Fischöl pro Tag über mehrere Monate hinweg. Nebenwirkungen
bedenklicher Art wurden nicht mitgeteilt. Von mehreren Ärzten wird
empfohlen, die Fischöltherapie begleitend zur Behandlung mit Retinoiden
oder auch Cyclosporin A einzusetzen, da dadurch anscheinend die zum Teil
doch beträchtlichen Nebenwirkungen der letztgenannten Stoffe verringert
werden könnten. Weitere Untersuchungen der Omega-3-Fettsäuren
müssen erfolgen, um den Wert und die Einsatzmöglichkeiten bei
der Schuppenflechte abschätzen zu können.
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