Neurodermitis-Lexikon

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KLIMATHERAPIE

Die moderne Klimabiologie unterscheidet mindestens 8 Klimaelemente mit Auswirkungen auf den Organismus:
· Sonneneinstrahlung
-Temperatur
-Luftfeuchtigkeit
- Luftbewegung
- Sauerstoffgehalt der Luft
- Chemische Zusammensetzung der Luft
- Ladungsteilchengehalt der Luft
- Elektromagnetische Feldstärke am Ort

Diese meteorologisch bedeutsamen Faktoren wirken über die Haut, den Atmungstrakt, die Augen und das zentrale Nervensystem auf den menschlichen Organismus ein. Sehr viele unter Ihnen, die sich in diesen Gebieten einmal etwas länger aufgehalten haben, werden die wohltuenden Auswirkungen dieser Reizklimata schon am eigenen Leib erfahren haben.

AM MEER
Die heilsame Wirkung des Klimas an der Meeresküste, in Deutschland vor allem auf den verschiedenen Nordseeinseln, beruht auf folgenden Komponenten:

- Die spezifische physikalische, chemische und elektrische Zusammensetzung der Luft an der Meeresküste
- Schnell wechselnde Umweltreize mit unterschiedlichen Schwankungsstärken, die den allgemeinen Reizpegel erhöhen
- Fehlen von wohnort- und industriespezifischen Luftschadstoffen

Speziell am Strand und in der Brandungszone wirken folgende Faktoren besonders wohltuend:
- Die Gischt der Meeresbrandung und der Wind erfrischen und kühlen auf prickelnde Weise die Haut
- Die schwach sauer wirkende hohe Luftfeuchtigkeit, der hohe Anteil von Spurenelementen wie Jod und Magnesium und die Sauberkeit der Luft (keine allergieauslösenden Stoffe, keine Staubbelastung) wirken belebend auf den Organismus M Die intensive Sonneneinstrahlung und der hohe Anteil reflektierter Strahlung aus der Umgebung (Sandstrand und Wasseroberfläche) wirken auch bei bedecktem Himmel wie eine natürliche Strahlenbehandlung im Freien.

Behandlungserfolge: In der strahlungsreichen Zeit wurden bei der Behandlung von Psoriatikern im Nordseeklima gute Ergebnisse erzielt. Nach einer einmaligen Klimatherapie waren bei 90 % der Patienten die Hauterscheinungen vollständig verschwunden, bei den restlichen 10 %waren die Herde deutlich kleiner geworden. Die Hälfte der untersuchten Psoriatiker blieb anschließend 9 1/2 Monate oder länger von Rückfällen verschont.
Nach mehrmaliger Klimatherapie an der See blieben 60% der untersuchten 200 Patienten zwischen 6 Monaten und 3 Jahren erscheinungsfrei.
Günstige Behandlungsergebnisse wurden auch an der Schwarzmeerküste, auf den Kanarischen Inseln, am Toten Meer und an der Adriaküste erzielt. Die in diesen Gebieten herrschenden Temperaturen von zum Teil über 50'C werden aber von den Patienten als sehr belastend empfunden. Zusätzlich handelt es sich zum Teil um Krisengebiete, so daß es zu Schwierigkeiten mit der Reiseversicherung kommen kann. Aufgrund der ausgeprägten Umstellung nach der Rückkehr scheint es hier auch häufiger zu Rückfällen zu kommen.
Aufenthalte in diesen Gebieten können allerdings nicht mit der wesentlich umfassenderen und erfolgreicheren Behandlung und Betreuung der Psoriatiker in den Hautkliniken an der Nordsee konkurrieren.

IM HOCHGEBIRGE

Die gute Wirkung des Hochgebirgsklimas (oberhalb von 1500 Metern über dem Meeresspiegel) beruht auf den folgenden Faktoren:
- Die spezifische physikalische, chemische und elektrische Zusammensetzung der Luft in Hochgebirgslagen
- Schnell wechselnde Umweltreize (wechselhaftes Klima) mit unterschiedlichen Schwankungsstärken, die den allgemeinen Reizpegel erhöhen.
- Fehlen von wohnort- und industriespezifischen Luftschadstoffen

Im Hochgebirge tragen mehrere Faktoren zu einem positiven Einfluß auf die Schuppenflechte bei:
- Verringerter Sauerstoffgehalt der Luft (Sauerstoffpartialdruck in 2000 m Höhe gegenüber Meereshöhe um etwa 19 % reduziert)
- Verringerter Dampfdruck (in 2000 m Höhe gegenüber Meereshöhe um etwa 50 % reduziert)
- Abnahme der durchschnittlichen Lufttemperatur um 6,5'C je 1000 Höhenmeter, dadurch oberhalb von 1200 Metern keine schwülen Wetterlagen mehr
- Das besondere Strahlenklima: Längere Sonnenscheindauer im Herbst und Winter oberhalb von 800 Metern über dem Meer. Wegen der geringeren Absorption durch die Atmosphäre eine um bis zu 100% erhöhte Globalstrahlung. Globalstrahlung mit einem höheren relativen Anteil der bei der Psoriasistherapie besonders wirksamen
Strahlungsanteile zwischen 290 und 350 nm Wellenlänge (UV-B und kurzwelliger Bereich des UV-A)

Eine besonders wirkungsvolle Kombination von geringer UV-Bund starker UV-A-Strahlung findet man nur in Hochgebirgslagen, nicht jedoch in Tieflagen, wo auch eine natürliche Lichttherapie durchgeführt wird. In wissenschaftlichen Untersuchungen kam man zu dem Ergebnis, daß beim Einsatz der natürlichen Höhenstrahlung in Davos im Vergleich mit der Ebene oder künstlichen UV-B-Strahlern nur ein Dreißigstel der UV-B-Strahlendosis benötigt wird, um sehr gute Rückbildungen der Schuppenflechte zu erzielen. Das bedeutet eine deutlich geringere Strahlenbelastung für die Haut! Behandlungserfolge: In den Jahren 1961-1983 wurden 5000 Psoriasispatienten zur Hochgebirgsklimatherapie nach Davos überwiesen. Nach der Behandlung verließen

95 % von ihnen die Klinik erscheinungsfrei oder mit einem wesentlich gebesserten Hautbild. Die Wirksamkeit der Behandlung läßt nach mehreren Aufenthalten nicht nach, sie verbessert sich eher noch. Gut 27 % der Patienten blieben nach der ersten Behandlung 4-7 Monate lang erscheinungsfrei, gut 25 sogar 8-12 Monate. Patienten mit besonders starkem Krankheitsverlauf berichten immer wieder, daß künstliche UV-Bestrahlungen am Heimatort langsamer Wirkung zeigten und nicht so lange vorhielten wie die Sonnentherapie im Hochgebirge. Ein deutlicher Prozentsatz von Psoriatikern, die zu Hause nur ungenügend oder gar nicht auf die Bestrahlungstherapie ansprachen, konnte in Davos gute Rückbildungsergebnisse verzeichnen. Es ist also das besondere Zusammenspiel der klimatischen Reizfaktoren in der Hochgebirgslage, das den Behandlungserfolg ausmacht.