Neurodermitis-Lexikon

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FORMEN UND ERSCHEINUNGSBILDER

Der Verlauf der Schuppenflechte ist wechselhaft und unvorhersehbar. Manchmal liegen zwischen den Krankheitsschüben mehrere Jahre, manchmal nur Wochen. Die
Hauterscheinungen können hartnäckig sein oder nach kurzer Zeit
abheilen

VERLAUFSFORMEN DER PSORIASIS

Aufgrund vieler Beobachtungen können wir im wesentlichen 3 Verlaufsformen der Schuppenflechte unterscheiden, die wohl in Abhängigkeit von der unterschiedlich ausgeprägten inneren Veranlagung stehen.
o Die plötzlich, wie ein Ausschlag auftretende Form.
Sie erscheint häufig nach akuten Infektionen im Hals sowie im Nasenund Ohrenbereich, vor allem bei Heranwachsenden oder jüngeren Erwachsenen.
o Die chronische Form mit wenigen Herden.
Die Stellen sind deutlich über die Hautoberfläche erhaben und schuppen oft stärker. Betroffen sind vor allem Ellbogen, Knie und Kreuzbein, aber auch Kopf und Oberkörper. Die Herde verändern sich kaum, sind "stationär"; sie zeigen wenig Wachstumstendenz und sind schwer zu behandeln.
o Die seltenere feucht-entzündliche Form.
Die Herde sind lebhaft rot, die Schuppenauflagerungen glänzend und mehr gelblich im Sinne von Schuppenkrusten. Der schuppenfreie Rand ist lebhaft gerötet. Diese Form ist reizbar und neigt zu schweren Verläufen mit Gestaltwandel wie Ganzkörperbefall oder Entwicklung einer Pustelform.

ERSCHEINUNGSBILDER DER GEWÖHNLICHEN SCHUPPENFLECHTE
Allen Erscheinungsformen ist gemeinsam, daß zu Beginn ein rötlicher, leicht schuppender Fleck entsteht, der rasch an Größe zunimmt und sich über die Hautoberfläche hinaus verdickt.
Die große Variationsbreite bei den Erscheinungsbildern der Schuppenflechte auf der Haut ist nicht selten Anlaß zur Verwirrung. Rein äußerlich beschreibend wurden Bezeichnungen wie haargebundene Schuppenflechte, punktförmige, tropfenförmige, münzförmige oder kreisförmige Schuppenflechte geschaffen. In allen diesen Herden, ob klein oder groß, lassen sich beim Reibetest sowie auch feingeweblich die typischen Zeichen der Schuppenflechte nachweisen. An bestimmten Körperregionen treten ganz typische Schuppenflechtemuster auf. Im wesentlichen wissen wir bis heute nicht, wie es zu diesen Verteilungsmustern kommt. Wir kennen hingegen die Ursachen, die zu Veränderungen an den Nägeln führen können. Es ist allerdings keineswegs so, daß alle Schuppenflechtepatienten mit Veränderungen der Nägel rechnen müssen.

Geographische Schuppenflechte (Psoriasis geographica)
Hier kommt es bei einzelnen Rundherden - meist münzförmiger Schuppenflechte -, aber auch bei anderen Erscheinungsformen durch Ausdehnung und Zusammenfließen zur Bildung von flächenhaften Herden mit unregelmäßiger Begrenzung, die einer Landkarte mit Erdteilen ähneln. Die Schuppenauflagerungen sind sehr ausgeprägt und glänzen fein silbrig. Bestehen diese Schuppenflechteherde über eine längere Zeit, so bilden sich stark verdickte (inveterierte) Herde, es kommt zu borken- oder austernschaleartigen Schuppenauflagerungen. Zusätzlich kann es durch eine Abheilung im Zentrum des Schuppenflechteherdes durch Weiterwachstum der Randbezirke zu recht bizarren Bildern kommen. So gibt es durch ausgeprägte zentrale Abheilung Ringformen und bei einem weiteren Übergreifen auf gesunde Hautflächen
bogig geschlängelte Ausläufer.

Besondere Körperregionen

Sehr häufig wird das Erscheinungsbild der Schuppenflechte von den jeweils befallenen Körperpartien geprägt. Wir müssen zum Verständnis wissen, daß die Haut nicht überall gleich verhornt und auch unterschiedlich starken Belastungen ausgesetzt ist. Dementsprechend unterschiedlich fallen die Erscheinungsbilder der Schuppenflechte aus.

:Behaarter Kopf
Ein Befall des behaarten Kopfes ist nicht selten, manchmal bleibt das die einzig befallene Körperpartie. Typisch sind scharf abgesetzte Rötungen mit mehr oder weniger starken Schuppenauflagerungen. Bei starkem Talgfluß (fettigen Haaren) sind die Schuppen mehr gelblich fettig. Besonders typisch sind Schuppenflechteherde an den Stirnhaar- und Nackenhaargrenzen sowie an den Schläfenpartien mit Ausbildung einer oft bandartigen, weniger schuppenden Rötung auf Hals und Gesicht. Verständlicherweise sind solche Erscheinungen besonders störend. Sie bilden sich allerdings unter Therapie - manchmal auch spontan - gut zurück, ohne Narben zu hinterlassen. Der behaarte Kopf kann auch insgesamt von silbrig glänzenden Schuppen bedeckt sein. Bei Befall des behaarten Kopfes mit sehr dicken, festhaftenden Schuppenauflagerungen kann es vereinzelt zu Haarverlusten kommen, die allerdings nach Ablösung der Schuppen und Normalisierung des Hautbefundes meist wieder nachwachsen. Es sind die dicken Schuppen, die das Haar quasi abdrücken. Die Haarwurzel bleibt erhalten.
Im Rahmen einer Ganzkörperrötung (psoriatische Erythrodermie) kann es zu einem ausgeprägten Haarverlust kommen, da sich die begleitende Stoffwechselstörung direkt auf die Haarwurzeln auswirkt. Aber auch hier kommt es nach dem Abklingen des Krankheitsschubes meist bald wieder zum Nachwachsen der Haare.

Gehörgänge
Besonders im Zusammenhang mit Schuppenflechteherden auf dem Kopf finden sich häufig gerötete, mäßig schuppende Veränderungen im Bereich der inneren Ohrmuschel und des äußeren Gehörganges. Die Hautveränderungen ähneln zum Teil sehr einem Ekzem und werden dann häufig verkannt, vor allem, wenn begleitend ein Juckreiz auftritt. Werden die befallenen Ohrpartien aufgekratzt, können Infektionen durch Bakterien und Pilze zu Komplikationen führen. Ein häufiges, vermeintlich erforderliches Säubern des Gehörganges mit Wattestäbchen kann den Gehörgang mit Schuppen und Ohrenschmalz verstopfen und so eine Hörminderung hervorrufen. Wattestäbchen sind also überflüssig! Meist befinden sich auch hinter den Ohren mehr entzündlich erscheinende, gerötete, juckende Herde. Bei Brillenträgern können solche Veränderungen aber auch durch scheuernde Brillenbügel verursacht werden.

Gesicht und Lippen
Ein Befall des Gesichtes kommt ziemlich selten vor. Vor allem durch lichtbedingte Reizung (Sonnenbrand) kann es zu ausgeprägten Rötungen mit einer meist geringen Schuppung kommen. Betroffen sind meist der Haaransatz sowie der mittlere Gesichtsanteil. Sehr selten bilden sich bei der Schuppenflechte auf den Lippen weißliche Herde. Mit einem Schleimhautbefall ist in der Regel nicht zu rechnen.

Bei ausgeprägter pustelförmiger Schuppenflechte ist ein Mitbefall der Lippen keine Seltenheit. Gelegentlich können wir auch weißlichgraue, eher bogige Erscheinungen auf Zunge und Wangenschleimhaut beobachten, die dem Patienten eventuell Beschwerden bei der Nahrungsaufnahme bereiten.Handinnenflächen und

Fußsohlen
Hier kommt es zu meist scharf begrenzten, leicht geröteten Herden. Die Rötungen erstrecken sich häufig auf die seitlichen Hand- und Fußpartien und sind wie ein Band gegen die gesunde Haut abgesetzt. Die Schuppenbildung ist meist ausgeprägt. Ein besonderes Problem kann die zum Teil mächtige, eher gelbliche Schuppenbildung bei mechanischer Beanspruchung bedeuten. Die sehr fest haftenden, meist millimeterdicken unelastischen Auflagerungen neigen zu Einrissen mit schmerzhafter Bewegungseinschränkung.
Bei relativ gering ausgeprägten Herden muß der Arzt immer einen Pilzbefall ausschließen sowie grundsätzlich auch an ein Kontaktekzem denken.Genitale
Das Genitale wird selten befallen. Auch hier gilt für alle Betroffenen, daß es sich um keine ansteckende Erkrankung handelt. Beim Geschlechtsverkehr kann also keine Übertragung der Schuppenflechte stattfinden.
Abgesehen von möglichen schmerzhaften Erscheinungen am Genitale, die beim Geschlechtsverkehr zusätzlich gereizt werden können, bestehen keine Einschränkungen im Hinblick auf alle zwischenmenschlichen Beziehungen. Besonders auf der Eichel und am inneren Vorhautblatt sowie auf den inneren Schamlippen treten rote Einzelherde auf, die eine nur wenig ausgeprägte Schuppenbildung zeigen. Die Oberfläche dieser Herde zeigt oft eine feine Fältelung. Nicht selten werden solche Erscheinungen übersehen, gelegentlich können auch diagnostische Fehlschlüsse gezogen werden.

Hautfalten
Es ist leicht zu verstehen, daß sich an allen Körperregionen, bei denen Haut auf Haut zu liegen kommt (Achseln, Brustauflagepartien, Bauchnabel, Leiste und insbesondere Gesäßfalte), durch Scheuerwirkung, Feuchtigkeitsstau und Wärmebildung Schuppenflechteherde bilden können. Aus den vorherigen Kapiteln wissen wir ja, daß die Schuppenflechte durch mechanische Reize verstärkt werden kann. Durch Feuchtigkeit und Reibevorgänge werden die Schuppen meist rasch abgelöst, so daß eine scharf begrenzte, meist flammende, etwas erhabene Rötung zu sehen ist. Häufig spüren Betroffene ein unangenehmes Brennen oder einen deutlichen Juckreiz. Die Verwechslungsmöglichkeiten mit anderen Hautkrankheiten sind gegeben, und manchmal vergehen Jahre, bis die richtige Diagnose gestellt wird. Vor allem zwischen den Gesäßbacken auftretende Schuppenflechteherde ähneln häufig eher einem Ekzem oder lassen an eine Hefepilzbesiedelung denken. Daher können wir nur immer wieder raten, frühzeitig einen Arzt (am besten einen Hautarzt) aufzusuchen, der sich mit diesen Krankheitsbildern auskennt und rasch die richtigen Maßnahmen ergreift.

Kreuzbeinregion
An dieser stark durch längeres Sitzen druckbelasteten Körperpartie kommt es wie an Ellbogen und Knien zur Ausbildung chronisch bestehender, flächenhafter Schuppenflechteherde mit einer meist sehr starken Schuppenauflagerung. Die darunterliegende Haut ist eher bläulichrot und lederartig verdickt.

Nagelveränderungen
Bei gut 50 % der Patienten mit Schuppenflechte findet der Arzt Nagelveränderungen, wobei der Prozentsatz bei einer der Schuppenflechte zuzuordnenden Gelenkerkrankung noch höher ausfällt. An Nagelveränderungen sind vor allen Dingen Tüpfel- und Ölfleckbildungen bekannt. Beim Tüpfelnagel, der häufiger an den Finger- als an den Zehennägeln auftritt, können wir Einsenkungen in der Nagelplatte erkennen, die wie die Oberfläche eines Fingerhutes aussehen. Die Ursache der Tüpfelbildung liegt in einem punktuellen Befall der Nagelbildungsstelle an dem hinteren Nagelfalz. Hier kommt es zu Verhornungsstörungen mit Bildung minderwertiger Hornsubstanz, die nach dem Vorwachsen aus dem Nagel herausgelöst wird.

In der Folge kommt es dann zur Grübchenausbildung auf der Nagelplatte mit dem erwähnten Fingerhutmuster.
Allerdings kann es auch bei anderen Erkrankungen, wie z. B. Ekzemreaktionen oder infektionsbedingten Erkrankungen an der Nagelbildungsstelle zu ähnlichen Veränderungen kommen.
Ist die Nagelbildungszone schwer geschädigt, sind Streifen, Wellen und Einbuchtungen auf der gesamten Nagelplatte möglich. Ölflecke sind das Resultat von kleinen Schuppenflechteherden auf dem Nagelbett, also unter der Nagelplatte. In gleicher Weise wie auf der übrigen Haut kann es auch hier zu Entzündungen kommen. Die Ölflecke entstehen besonders am Rand und am vorderen Ende der Nagelplatte. Hier zeigen sich zunächst rötliche Veränderungen mit Einwanderung von Entzündungszellen in das Nagelbett mit nachfolgender unvollständiger, aber für die Schuppenflechte typischer, überschießender Verhornung. Diese verstärkte Verhornung führt zu einem Abheben der Nagelplatte mit zumeist auffälliger, gelblich bis rötlichbrauner Verfärbung.

Gelegentlich finden wir auch mehr längsgerichtete, streifige, rötlichbräunliche Verfärbungen, die aus Splitterblutungen hervorgehen. Das hört sich zwar bedrohlich an, ist es aber nicht. Splitterblutungen sind als harmlose, nur gelegentlich auftretende Begleitreaktionen bei der Nagelbildung zu werten. Bei stärkerer Verhornungstendenz und gleichzeitiger Mitbeteiligung der Nagelbildungsstätte kann es allerdings zu einer mächtigen Verdickung und zu teilweiser Ablösung der Nagelplatte kommen. Der verdickte gelbliche Nagel ist von minderwertiger Struktur und zerbröckelt leicht, was man als "Krümelnägel" bezeichnet. Zusätzlich ist es immer sinnvoll, bei derart veränderten Nägeln eine Pilzbesiedelung auszuschließen. Bei sehr schweren Verlaufsformen der Schuppenflechte mit Befall nahezu der gesamten Haut, vor allem der Fingerrückseiten, kann es auch zur Nagelfalz-Schuppenflechte mit entzündlich gerötetem, wallförmig aufgeworfenem Nagelfalz kommen. Das Nagelhäutchen fehlt meist. Starke Entzündungen können auch die Nagelbildung beeinflussen und die Nageloberfläche wulstig oder geriffelt gestalten. Nicht selten finden wir bei einer derartigen Nagelfalz-Schuppenflechte eine zusätzliche Besiedelung mit Bakterien oder Pilzen, die dann schmerzhafte Nagelbettentzündungen hervorrufen. Die reinen Schuppenflechteherde schmerzen nicht, wie wir ja bereits wissen.

TYPISCHE KENNZEICHEN DER NAGELSCHUPPENFLECHTE
Tüpfel und/oder Ölflecke erscheinen meist an mehreren Nägeln an beiden Händen und/oder Füßen gleichzeitig.
Ein Nagelpilzbefall beginnt fast immer an einem einzelnen Nagel, breitet sich langsam aus und greift erst später auf benachbarte Nägel über.

Ein Pilzbefall beginnt meist am freien oberen oder seitlichen Nagelrand. Eine Infektion tritt an den Fingernägeln wesentlich seltener auf als an den Fußnägeln. Die bei Ekzemkrankheiten häufig ebenfalls auftretenden Nagelveränderungen weisen meist eine holperige, rillige Nageloberfläche auf, typische Tüpfel oder Ölflecke fehlen.

PUSTELFÖRMIGE SCHUPPENFLECHTE
Diese Erscheinungsform der Schuppenflechte ist durch Bläschenbildung geprägt. Die Bläschen sind 2-5 mm groß und mit gelblicher Flüssigkeit gefüllt. Der gelbe Farbton entsteht durch eingewanderte weiße Blutkörperchen. Diese Eiterbläschen bezeichnet der Arzt als Pusteln. Da in den Pusteln weder Bakterien noch Pilze oder Viren enthalten sind, sprechen wir von sterilen Pusteln, d. h. sie sind nicht ansteckend. Wir unterscheiden im wesentlichen zwei Krankheitsbilder:

Hohlhand- und Fußsohlenbefall
(Psoriasis pustulosa palmoplantaris Typ Königsbeck-Barber) Dieses Erscheinungsbild wird als eigenständige besondere Schuppenflechteform bewertet und nach den Ärzten benannt, die diese Form als erste beschrieben und bezeichnet haben. Gelegentlich können an anderen Körperstellen wie z. B. Ellbogen oder Knien gleichzeitig typische Herde der gewöhnlichen Schuppenflechte mit Rötung und fester Schuppung bestehen. In den meisten Fällen der pustelförmigen Schuppenflechte an Händen und Füßen ist keine familiäre Beziehung ersichtlich, auch bestehen keine Zusammenhänge mit dem HLA-System . Wir wissen also bis heute nicht, welche Ursachen hinter diesem Krankheitsbild stehen.

Der Beginn der Krankheit setzt meist plötzlich ein. Gelegentlich angeschuldigte Infektionsherde im Körper (besonders eitrige Mandelentzündungen) haben nach ihrer Behandlung meist nicht zur Abheilung der Schuppenflechte geführt. Die an der Haut sichtbaren Veränderungen werden von dunkelroten, leicht schuppig belegten Arealen bestimmt. Innerhalb dieser Herde können wir eine größere Anzahl 2-5 mm großer, zunächst hellgelber, in der Folge gelblichbrauner bis dunkelbrauner Pusteln erkennen. Gewöhnlich lassen sich Pusteln verschiedener Stadien nebeneinander finden. Diese Pusteln trocknen schließlich ein und blättern ab. Begleitet ist der Krankheitsprozeß mehr von einem Brennen als von Juckreiz. Befallen sind, wie bereits gesagt, meist beide Handflächen und hier besonders die Handballen. An den Füßen sind meist auch beide Fußgewölbe betroffen. Für diese Erkrankung typische Blutveränderungen oder Begleitkrankheiten sind nicht bekannt. Das Krankheitsbild ist bei Kindern sehr selten und betrifft meist ältere Erwachsene, wobei der Frauenanteil leicht überwiegt. Die Verläufe sind meist langwierig und unberechenbar. Abheilungen sind meist leider nur vorübergehend.

Ganzhautbefall
(Psoriasis pustulosa generalisata Typ von Zumbusch)
Ein Gesamthautbefall mit Pusteln stellt das extreme Erscheinungsbild der Schuppenflechte dar.

Da sich die pustulöse Schuppenflechte aus einer normalen Form entwickeln bzw. in diese umwandeln kann, ist der Bezug zur gewöhnlichen Schuppenflechte deutlich gegeben. Als Ursachen für die Entwicklung einer Pustelform können wir manchmal eine zu aggressive, individuell unverträgliche Behandlung einer normalen Schuppenflechte verantwortlich machen. Besonders nach Beendigung einer Kortisoneinnahme zur Behandlung einer einfachen Schuppenflechte wurde die Entwicklung einer Pustelform berichtet. Weitere Reizfaktoren stellen Infektionen, übermäßige Sonnenbestrahlung und Medikamente dar. Zwei Verlaufsformen dieser pustelförmigen Schuppenflechte mit Ganzkörperbefall sind den Ärzten bekannt. So kann eine typische Psoriasis, die im frühen Erwachsenenalter begann, nach Jahren in eine Pustelform übergehen. Im späteren Leben sind es vor allem untypische Körperareale wie Gelenkbeugen oder Finger, auf denen sich eine pustulöse Schuppenflechte ausbildet. Dabei stellen wir immer wieder fest, daß die Haut zunächst trockener und empfindlicher wird. Unter plötzlicher Fieberentwicklung mit Krankheitsgefühl entstehen dann Pusteln auf bereits bestehenden, normal schuppenden Psoriasisherden oder auf zunächst flächig geröteten Hautpartien über den ganzen Körper verstreut, auch an sonst eher wenig bevorzugten Hautstellen wie Beugen und Genitalbereich. Wir finden dann einzelstehende, zusammenfließende, zu
bizarren Figuren ausgebildete Pustelformationen auf gerötetem Grund. Die Pusteln trocknen ab und stoßen sich als sogenannte Schuppenkrusten ab, meist folgt rasch ein neuer Schub. Bei Hand- und Fußbefall verdicken sich die Nägel, weil die Fingerendglieder mitbetroffen sind. Unter der Nagelplatte bilden sich gelbliche Eiterblasen, die den Nagel teilweise ablösen. Häufig kommt es auch zum Mitbefall von Wangenschleimhaut und Zunge, was bei der gewöhnlichen Schuppenflechte nie vorkommt.
In 30% der Fälle entwickeln sich leider zusätzlich entzündliche Gelenkveränderungen. Komplikationen wie Nieren- und Leberfunktionsstörungen kommen oft dazu, weil der gesamte Organismus in Mitleidenschaft gezogen wird. Die Zeichen der schweren Hautentzündung lassen sich anhand der erhöhten Blutkörperchen-Senkungsgeschwindigkeit und der erhöhten Anzahl von weißen Blutkörperchen nachweisen. Weiterhin kommen eine Erniedrigung des Bluteiweißspiegels und des Blutkalziums vor.

GANZKÖRPERBEFALL MIT SCHUPPENFLECHTE
(Psoriatische Erythrodermie)
Als die schwerste Komplikation der Schuppenflechte kennen wir einen durchgehenden Befall des gesamten Hautorganes mit Schuppenflechteherden, was bei etwa 2 % der Psoriatiker vorkommt. Im Gegensatz zur gewöhnlichen Schuppenflechte stehen bei diesem Krankheitsbild flächige Rötung und Verdickung der Haut im Vordergrund. Die unterschiedlich stark ausgebildete Schuppung haftet meist nicht auf der Haut wie bei gewöhnlichen Schuppen, sondern schilfert rasch ab, um von neuen Schuppen ersetzt zu werden. Die täglich anfallende Schuppenmenge ist enorm und der Grund für den starken Eiweißverlust sowie die bereits besprochenen Störungen in der Bluteiweiß-Zusammensetzung. Blutkörperchen-Senkungsgeschwindigkeit und weiße Blutkörperchen zeigen meist stark erhöhte Werte. Sehr häufig kommt es durch die Entzündungsvorgänge zur Lymphknotenvergrößerung. Nicht selten entwickeln die Patienten Fieber und deutliches Krankheitsgefühl. Sehr häufig ist auch ein ausgeprägter Juckreiz vorhanden. Bei längerem Bestand dieser generellen Hautrötung kommt es zur Beeinträchtigung der Temperaturregulation, des Blutfließverhaltens, der Aufnahmevorgänge im Verdauungstrakt sowie zu Störungen des Eiweiß- und Flüssigkeitsstoffwechsels. Dies alles kann in der Folge zu lebensbedrohlichen Zuständen führen.
Die Entwicklung einer erythrodermischen Psoriasis geschieht grundsätzlich auf zwei Wegen:
1. im Rahmen einer laufenden Vergrößerung der einzelnen Schuppenflechteherde, die zusammenfließend große Hautareale bedecken und die gesamte Haut überziehen.
2. meist aufgrund einer sehr starken Hautreizung, häufig durch eine zu aggressive Therapie, die zu einer überschießenden Reaktion im Sinne des "isomorphen" Reizeffektes führen kann.
Weiterhin ist uns aus früheren Zeiten bekannt, daß nach Einnahme von Kortison zunächst eine rasche Rückbildung der Schuppenflechteherde eintritt. Nach Absetzen des Medikamentes kommt es meist sehr schnell zur Entwicklung eines neuen Schubes bis hin zum Befall der gesamten Körperoberfläche. Als zusätzliche Komplikation sehen wir bei diesem das gesamte Hautorgan betreffenden Krankheitsbild oft Entzündungsvorgänge an den Haarfollikeln mit nachfolgend auftretendem Haarausfall. Allerdings führt dies nur in den seltensten Fällen zu einer Glatzenbildung. Unsere Erfahrung hat gezeigt, daß die Haare wieder nachwachsen, wenn sich das Krankheitsbild beruhigt hat.

GELENKBEFALL BEI PSORIASIS
(Psoriasis arthropathica)
Bei mindestens 5 % der Patienten mit Schuppenflechte müssen wir leider mit einer mehr oder weniger ausgeprägten Gelenkbeteiligung rechnen, die je nach Symptomatik in verschiedene Typen eingeteilt werden kann:

Endständiger Typ
Diese Form ist bei ca. 30 % der Patienten (bei Männern häufiger als bei Frauen) zu finden. Hier kommt es vor allem an den Finger- und Zehengelenken aufgrund von Entzündungen zu schmerzhaften Schwellungen im gelenkumgebenden Gewebe mit Bewegungseinschränkung. Der Befall kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein, von nur einem Gelenk eines Fingers bis hin zu allen Gelenken aller Finger und aller Zehen. Die betroffenen Patienten berichten meist von einer Morgensteife der Gelenke. Nach Durchführung von Bewegungsübungen ist rasch eine befriedigende Beweglichkeit zu erzielen. Sehr häufig bestehen zusätzlich schuppenflechtebedingte Nagelveränderungen.

Deformierender Typ

Hier können sowohl die kleinen als auch die größeren Gelenke einschließlich Wirbelsäule und Becken befallen werden. Im Röntgenbild erkennt man Knochenabbauvorgänge von der Auflösung von Knochensubstanz, besonders an den kleinen Röhrenknochen, bis hin zum Umbau. In sehr fortgeschrittenen Stadien sind die ursprünglichen Gelenkformen nicht mehr erkennbar. Die früheren Bewegungsabläufe sind hochgradig behindert bzw. nicht mehr durchführbar. Dieser Typ findet sich häufiger bei schweren Psoriasis-Verlaufsformen wie Pusteltyp oder auch Erythrodermie; er wird durch Inaktivität und eine Schonhaltung der Gelenke verschlimmert.

Primär chronischer Polyarthritis-Typ
Bei diesem Typ finden wir ähnliche Veränderungen wie bei einem nicht mit der Schuppenflechte verwandten Krankheitsbild, der primär chronischen Polyarthritis (Gelenkentzündung). Zum Teil sind die Gelenkveränderungen kaum voneinander unterscheidbar. In erster Linie sind die Wirbelkörper betroffen (SpondylarthritisTyp). Das Krankheitsgeschehen konzentriert sich auf die Wirbelgelenke, oft ist die gesamte Wirbelsäule betroffen. Es kommt dabei zu schmerzhaften Verkrümmungen mit Ausbildung von wirbelkörperübergreifenden Knochenspangen und Verwachsungen. Der Erkrankungsbeginn ist meist einseitig und führt zur isolierten Gelenkzerstörung.
Häufig sind - im Gegensatz zur primär chronischen Polyarthritis - auch die Becken- und Kreuzbeingelenke befallen.

Im Röntgenbild lassen sich verschmälerte Gelenkspalten, Knochenauflockerungen, knöcherner Umbau und Abbauprozesse darstellen, dazu gelegentlich eine zur Verknöcherung neigende Knochenhaut sowie Sehnenentzündungen. In nicht zu fortgeschrittenen Stadien können Stillstand und sogar eine Verbesserung des Zustandes eintreten, wenn entsprechende Maßnahmen ergriffen werden. Eine Rückbildung der Gelenkveränderungen ist leider äußerst selten.

Die Gelenkveränderungen können gleichzeitig mit den Hautveränderungen auftreten, in vielen Fällen sind sie aber als Vorläufer von Hauterscheinungen bekannt. Die Gelenkveränderungen alleine werden zunächst eher selten einer Schuppenflechte zugeordnet, sondern als "Rheumatismus" bezeichnet. Da bei über 2/3 der Patienten mit Gelenkbeteiligung eine typische Veränderung der Nägel (Tüpfelung oder Ölfleckausbildung) parallel läuft, kann ein Nagelbefall auch ohne sonstige Hautzeichen die richtige Diagnose erbringen. Der Gesamtorganismus ist also glücklicherweise nicht in Mitleidenschaft gezogen. Die Schmerzhaftigkeit der Gelenkbeteiligung ist unterschiedlich ausgeprägt, sie kann von leichteren Beschwerdebildern bis hin zu sehr starken Attacken oder Dauerschmerz führen.