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FORMEN UND ERSCHEINUNGSBILDER
Der Verlauf der Schuppenflechte ist wechselhaft und unvorhersehbar. Manchmal
liegen zwischen den Krankheitsschüben mehrere Jahre, manchmal nur
Wochen. Die
Hauterscheinungen können hartnäckig sein oder nach kurzer Zeit
abheilen
VERLAUFSFORMEN DER PSORIASIS
Aufgrund vieler Beobachtungen können wir im wesentlichen 3 Verlaufsformen
der Schuppenflechte unterscheiden, die wohl in Abhängigkeit von der
unterschiedlich ausgeprägten inneren Veranlagung stehen.
o Die plötzlich, wie ein Ausschlag auftretende Form.
Sie erscheint häufig nach akuten Infektionen im Hals sowie im Nasenund
Ohrenbereich, vor allem bei Heranwachsenden oder jüngeren Erwachsenen.
o Die chronische Form mit wenigen Herden.
Die Stellen sind deutlich über die Hautoberfläche erhaben und
schuppen oft stärker. Betroffen sind vor allem Ellbogen, Knie und
Kreuzbein, aber auch Kopf und Oberkörper. Die Herde verändern
sich kaum, sind "stationär"; sie zeigen wenig Wachstumstendenz
und sind schwer zu behandeln.
o Die seltenere feucht-entzündliche Form.
Die Herde sind lebhaft rot, die Schuppenauflagerungen glänzend und
mehr gelblich im Sinne von Schuppenkrusten. Der schuppenfreie Rand ist
lebhaft gerötet. Diese Form ist reizbar und neigt zu schweren Verläufen
mit Gestaltwandel wie Ganzkörperbefall oder Entwicklung einer Pustelform.
ERSCHEINUNGSBILDER DER GEWÖHNLICHEN SCHUPPENFLECHTE
Allen Erscheinungsformen ist gemeinsam, daß zu Beginn ein rötlicher,
leicht schuppender Fleck entsteht, der rasch an Größe zunimmt
und sich über die Hautoberfläche hinaus verdickt.
Die große Variationsbreite bei den Erscheinungsbildern der Schuppenflechte
auf der Haut ist nicht selten Anlaß zur Verwirrung. Rein äußerlich
beschreibend wurden Bezeichnungen wie haargebundene Schuppenflechte, punktförmige,
tropfenförmige, münzförmige oder kreisförmige Schuppenflechte
geschaffen. In allen diesen Herden, ob klein oder groß, lassen sich
beim Reibetest sowie auch feingeweblich die typischen Zeichen der Schuppenflechte
nachweisen. An bestimmten Körperregionen treten ganz typische Schuppenflechtemuster
auf. Im wesentlichen wissen wir bis heute nicht, wie es zu diesen Verteilungsmustern
kommt. Wir kennen hingegen die Ursachen, die zu Veränderungen an
den Nägeln führen können. Es ist allerdings keineswegs
so, daß alle Schuppenflechtepatienten mit Veränderungen der
Nägel rechnen müssen.
Geographische Schuppenflechte (Psoriasis geographica)
Hier kommt es bei einzelnen Rundherden - meist münzförmiger
Schuppenflechte -, aber auch bei anderen Erscheinungsformen durch Ausdehnung
und Zusammenfließen zur Bildung von flächenhaften Herden mit
unregelmäßiger Begrenzung, die einer Landkarte mit Erdteilen
ähneln. Die Schuppenauflagerungen sind sehr ausgeprägt und glänzen
fein silbrig. Bestehen diese Schuppenflechteherde über eine längere
Zeit, so bilden sich stark verdickte (inveterierte) Herde, es kommt zu
borken- oder austernschaleartigen Schuppenauflagerungen. Zusätzlich
kann es durch eine Abheilung im Zentrum des Schuppenflechteherdes durch
Weiterwachstum der Randbezirke zu recht bizarren Bildern kommen. So gibt
es durch ausgeprägte zentrale Abheilung Ringformen und bei einem
weiteren Übergreifen auf gesunde Hautflächen
bogig geschlängelte Ausläufer.
Besondere Körperregionen
Sehr häufig wird das Erscheinungsbild der Schuppenflechte von den
jeweils befallenen Körperpartien geprägt. Wir müssen zum
Verständnis wissen, daß die Haut nicht überall gleich
verhornt und auch unterschiedlich starken Belastungen ausgesetzt ist.
Dementsprechend unterschiedlich fallen die Erscheinungsbilder der Schuppenflechte
aus.
:Behaarter Kopf
Ein Befall des behaarten Kopfes ist nicht selten, manchmal bleibt das
die einzig befallene Körperpartie. Typisch sind scharf abgesetzte
Rötungen mit mehr oder weniger starken Schuppenauflagerungen. Bei
starkem Talgfluß (fettigen Haaren) sind die Schuppen mehr gelblich
fettig. Besonders typisch sind Schuppenflechteherde an den Stirnhaar-
und Nackenhaargrenzen sowie an den Schläfenpartien mit Ausbildung
einer oft bandartigen, weniger schuppenden Rötung auf Hals und Gesicht.
Verständlicherweise sind solche Erscheinungen besonders störend.
Sie bilden sich allerdings unter Therapie - manchmal auch spontan - gut
zurück, ohne Narben zu hinterlassen. Der behaarte Kopf kann auch
insgesamt von silbrig glänzenden Schuppen bedeckt sein. Bei Befall
des behaarten Kopfes mit sehr dicken, festhaftenden Schuppenauflagerungen
kann es vereinzelt zu Haarverlusten kommen, die allerdings nach Ablösung
der Schuppen und Normalisierung des Hautbefundes meist wieder nachwachsen.
Es sind die dicken Schuppen, die das Haar quasi abdrücken. Die Haarwurzel
bleibt erhalten.
Im Rahmen einer Ganzkörperrötung (psoriatische Erythrodermie)
kann es zu einem ausgeprägten Haarverlust kommen, da sich die begleitende
Stoffwechselstörung direkt auf die Haarwurzeln auswirkt. Aber auch
hier kommt es nach dem Abklingen des Krankheitsschubes meist bald wieder
zum Nachwachsen der Haare.
Gehörgänge
Besonders im Zusammenhang mit Schuppenflechteherden auf dem Kopf finden
sich häufig gerötete, mäßig schuppende Veränderungen
im Bereich der inneren Ohrmuschel und des äußeren Gehörganges.
Die Hautveränderungen ähneln zum Teil sehr einem Ekzem und werden
dann häufig verkannt, vor allem, wenn begleitend ein Juckreiz auftritt.
Werden die befallenen Ohrpartien aufgekratzt, können Infektionen
durch Bakterien und Pilze zu Komplikationen führen. Ein häufiges,
vermeintlich erforderliches Säubern des Gehörganges mit Wattestäbchen
kann den Gehörgang mit Schuppen und Ohrenschmalz verstopfen und so
eine Hörminderung hervorrufen. Wattestäbchen sind also überflüssig!
Meist befinden sich auch hinter den Ohren mehr entzündlich erscheinende,
gerötete, juckende Herde. Bei Brillenträgern können solche
Veränderungen aber auch durch scheuernde Brillenbügel verursacht
werden.
Gesicht und Lippen
Ein Befall des Gesichtes kommt ziemlich selten vor. Vor allem durch lichtbedingte
Reizung (Sonnenbrand) kann es zu ausgeprägten Rötungen mit einer
meist geringen Schuppung kommen. Betroffen sind meist der Haaransatz sowie
der mittlere Gesichtsanteil. Sehr selten bilden sich bei der Schuppenflechte
auf den Lippen weißliche Herde. Mit einem Schleimhautbefall ist
in der Regel nicht zu rechnen.
Bei ausgeprägter pustelförmiger Schuppenflechte ist ein Mitbefall
der Lippen keine Seltenheit. Gelegentlich können wir auch weißlichgraue,
eher bogige Erscheinungen auf Zunge und Wangenschleimhaut beobachten,
die dem Patienten eventuell Beschwerden bei der Nahrungsaufnahme bereiten.Handinnenflächen
und
Fußsohlen
Hier kommt es zu meist scharf begrenzten, leicht geröteten Herden.
Die Rötungen erstrecken sich häufig auf die seitlichen Hand-
und Fußpartien und sind wie ein Band gegen die gesunde Haut abgesetzt.
Die Schuppenbildung ist meist ausgeprägt. Ein besonderes Problem
kann die zum Teil mächtige, eher gelbliche Schuppenbildung bei mechanischer
Beanspruchung bedeuten. Die sehr fest haftenden, meist millimeterdicken
unelastischen Auflagerungen neigen zu Einrissen mit schmerzhafter Bewegungseinschränkung.
Bei relativ gering ausgeprägten Herden muß der Arzt immer einen
Pilzbefall ausschließen sowie grundsätzlich auch an ein Kontaktekzem
denken.Genitale
Das Genitale wird selten befallen. Auch hier gilt für alle Betroffenen,
daß es sich um keine ansteckende Erkrankung handelt. Beim Geschlechtsverkehr
kann also keine Übertragung der Schuppenflechte stattfinden.
Abgesehen von möglichen schmerzhaften Erscheinungen am Genitale,
die beim Geschlechtsverkehr zusätzlich gereizt werden können,
bestehen keine Einschränkungen im Hinblick auf alle zwischenmenschlichen
Beziehungen. Besonders auf der Eichel und am inneren Vorhautblatt sowie
auf den inneren Schamlippen treten rote Einzelherde auf, die eine nur
wenig ausgeprägte Schuppenbildung zeigen. Die Oberfläche dieser
Herde zeigt oft eine feine Fältelung. Nicht selten werden solche
Erscheinungen übersehen, gelegentlich können auch diagnostische
Fehlschlüsse gezogen werden.
Hautfalten
Es ist leicht zu verstehen, daß sich an allen Körperregionen,
bei denen Haut auf Haut zu liegen kommt (Achseln, Brustauflagepartien,
Bauchnabel, Leiste und insbesondere Gesäßfalte), durch Scheuerwirkung,
Feuchtigkeitsstau und Wärmebildung Schuppenflechteherde bilden können.
Aus den vorherigen Kapiteln wissen wir ja, daß die Schuppenflechte
durch mechanische Reize verstärkt werden kann. Durch Feuchtigkeit
und Reibevorgänge werden die Schuppen meist rasch abgelöst,
so daß eine scharf begrenzte, meist flammende, etwas erhabene Rötung
zu sehen ist. Häufig spüren Betroffene ein unangenehmes Brennen
oder einen deutlichen Juckreiz. Die Verwechslungsmöglichkeiten mit
anderen Hautkrankheiten sind gegeben, und manchmal vergehen Jahre, bis
die richtige Diagnose gestellt wird. Vor allem zwischen den Gesäßbacken
auftretende Schuppenflechteherde ähneln häufig eher einem Ekzem
oder lassen an eine Hefepilzbesiedelung denken. Daher können wir
nur immer wieder raten, frühzeitig einen Arzt (am besten einen Hautarzt)
aufzusuchen, der sich mit diesen Krankheitsbildern auskennt und rasch
die richtigen Maßnahmen ergreift.
Kreuzbeinregion
An dieser stark durch längeres Sitzen druckbelasteten Körperpartie
kommt es wie an Ellbogen und Knien zur Ausbildung chronisch bestehender,
flächenhafter Schuppenflechteherde mit einer meist sehr starken Schuppenauflagerung.
Die darunterliegende Haut ist eher bläulichrot und lederartig verdickt.
Nagelveränderungen
Bei gut 50 % der Patienten mit Schuppenflechte findet der Arzt Nagelveränderungen,
wobei der Prozentsatz bei einer der Schuppenflechte zuzuordnenden Gelenkerkrankung
noch höher ausfällt. An Nagelveränderungen sind vor allen
Dingen Tüpfel- und Ölfleckbildungen bekannt. Beim Tüpfelnagel,
der häufiger an den Finger- als an den Zehennägeln auftritt,
können wir Einsenkungen in der Nagelplatte erkennen, die wie die
Oberfläche eines Fingerhutes aussehen. Die Ursache der Tüpfelbildung
liegt in einem punktuellen Befall der Nagelbildungsstelle an dem hinteren
Nagelfalz. Hier kommt es zu Verhornungsstörungen mit Bildung minderwertiger
Hornsubstanz, die nach dem Vorwachsen aus dem Nagel herausgelöst
wird.
In der Folge kommt es dann zur Grübchenausbildung auf der Nagelplatte
mit dem erwähnten Fingerhutmuster.
Allerdings kann es auch bei anderen Erkrankungen, wie z. B. Ekzemreaktionen
oder infektionsbedingten Erkrankungen an der Nagelbildungsstelle zu ähnlichen
Veränderungen kommen.
Ist die Nagelbildungszone schwer geschädigt, sind Streifen, Wellen
und Einbuchtungen auf der gesamten Nagelplatte möglich. Ölflecke
sind das Resultat von kleinen Schuppenflechteherden auf dem Nagelbett,
also unter der Nagelplatte. In gleicher Weise wie auf der übrigen
Haut kann es auch hier zu Entzündungen kommen. Die Ölflecke
entstehen besonders am Rand und am vorderen Ende der Nagelplatte. Hier
zeigen sich zunächst rötliche Veränderungen mit Einwanderung
von Entzündungszellen in das Nagelbett mit nachfolgender unvollständiger,
aber für die Schuppenflechte typischer, überschießender
Verhornung. Diese verstärkte Verhornung führt zu einem Abheben
der Nagelplatte mit zumeist auffälliger, gelblich bis rötlichbrauner
Verfärbung.
Gelegentlich finden wir auch mehr längsgerichtete, streifige, rötlichbräunliche
Verfärbungen, die aus Splitterblutungen hervorgehen. Das hört
sich zwar bedrohlich an, ist es aber nicht. Splitterblutungen sind als
harmlose, nur gelegentlich auftretende Begleitreaktionen bei der Nagelbildung
zu werten. Bei stärkerer Verhornungstendenz und gleichzeitiger Mitbeteiligung
der Nagelbildungsstätte kann es allerdings zu einer mächtigen
Verdickung und zu teilweiser Ablösung der Nagelplatte kommen. Der
verdickte gelbliche Nagel ist von minderwertiger Struktur und zerbröckelt
leicht, was man als "Krümelnägel" bezeichnet. Zusätzlich
ist es immer sinnvoll, bei derart veränderten Nägeln eine Pilzbesiedelung
auszuschließen. Bei sehr schweren Verlaufsformen der Schuppenflechte
mit Befall nahezu der gesamten Haut, vor allem der Fingerrückseiten,
kann es auch zur Nagelfalz-Schuppenflechte mit entzündlich gerötetem,
wallförmig aufgeworfenem Nagelfalz kommen. Das Nagelhäutchen
fehlt meist. Starke Entzündungen können auch die Nagelbildung
beeinflussen und die Nageloberfläche wulstig oder geriffelt gestalten.
Nicht selten finden wir bei einer derartigen Nagelfalz-Schuppenflechte
eine zusätzliche Besiedelung mit Bakterien oder Pilzen, die dann
schmerzhafte Nagelbettentzündungen hervorrufen. Die reinen Schuppenflechteherde
schmerzen nicht, wie wir ja bereits wissen.
TYPISCHE KENNZEICHEN DER NAGELSCHUPPENFLECHTE
Tüpfel und/oder Ölflecke erscheinen meist an mehreren Nägeln
an beiden Händen und/oder Füßen gleichzeitig.
Ein Nagelpilzbefall beginnt fast immer an einem einzelnen Nagel, breitet
sich langsam aus und greift erst später auf benachbarte Nägel
über.
Ein Pilzbefall beginnt meist am freien oberen oder seitlichen Nagelrand.
Eine Infektion tritt an den Fingernägeln wesentlich seltener auf
als an den Fußnägeln. Die bei Ekzemkrankheiten häufig
ebenfalls auftretenden Nagelveränderungen weisen meist eine holperige,
rillige Nageloberfläche auf, typische Tüpfel oder Ölflecke
fehlen.
PUSTELFÖRMIGE SCHUPPENFLECHTE
Diese Erscheinungsform der Schuppenflechte ist durch Bläschenbildung
geprägt. Die Bläschen sind 2-5 mm groß und mit gelblicher
Flüssigkeit gefüllt. Der gelbe Farbton entsteht durch eingewanderte
weiße Blutkörperchen. Diese Eiterbläschen bezeichnet der
Arzt als Pusteln. Da in den Pusteln weder Bakterien noch Pilze oder Viren
enthalten sind, sprechen wir von sterilen Pusteln, d. h. sie sind nicht
ansteckend. Wir unterscheiden im wesentlichen zwei Krankheitsbilder:
Hohlhand- und Fußsohlenbefall
(Psoriasis pustulosa palmoplantaris Typ Königsbeck-Barber) Dieses
Erscheinungsbild wird als eigenständige besondere Schuppenflechteform
bewertet und nach den Ärzten benannt, die diese Form als erste beschrieben
und bezeichnet haben. Gelegentlich können an anderen Körperstellen
wie z. B. Ellbogen oder Knien gleichzeitig typische Herde der gewöhnlichen
Schuppenflechte mit Rötung und fester Schuppung bestehen. In den
meisten Fällen der pustelförmigen Schuppenflechte an Händen
und Füßen ist keine familiäre Beziehung ersichtlich, auch
bestehen keine Zusammenhänge mit dem HLA-System . Wir wissen also
bis heute nicht, welche Ursachen hinter diesem Krankheitsbild stehen.
Der Beginn der Krankheit setzt meist plötzlich ein. Gelegentlich
angeschuldigte Infektionsherde im Körper (besonders eitrige Mandelentzündungen)
haben nach ihrer Behandlung meist nicht zur Abheilung der Schuppenflechte
geführt. Die an der Haut sichtbaren Veränderungen werden von
dunkelroten, leicht schuppig belegten Arealen bestimmt. Innerhalb dieser
Herde können wir eine größere Anzahl 2-5 mm großer,
zunächst hellgelber, in der Folge gelblichbrauner bis dunkelbrauner
Pusteln erkennen. Gewöhnlich lassen sich Pusteln verschiedener Stadien
nebeneinander finden. Diese Pusteln trocknen schließlich ein und
blättern ab. Begleitet ist der Krankheitsprozeß mehr von einem
Brennen als von Juckreiz. Befallen sind, wie bereits gesagt, meist beide
Handflächen und hier besonders die Handballen. An den Füßen
sind meist auch beide Fußgewölbe betroffen. Für diese
Erkrankung typische Blutveränderungen oder Begleitkrankheiten sind
nicht bekannt. Das Krankheitsbild ist bei Kindern sehr selten und betrifft
meist ältere Erwachsene, wobei der Frauenanteil leicht überwiegt.
Die Verläufe sind meist langwierig und unberechenbar. Abheilungen
sind meist leider nur vorübergehend.
Ganzhautbefall
(Psoriasis pustulosa generalisata Typ von Zumbusch)
Ein Gesamthautbefall mit Pusteln stellt das extreme Erscheinungsbild der
Schuppenflechte dar.
Da sich die pustulöse Schuppenflechte aus einer normalen Form entwickeln
bzw. in diese umwandeln kann, ist der Bezug zur gewöhnlichen Schuppenflechte
deutlich gegeben. Als Ursachen für die Entwicklung einer Pustelform
können wir manchmal eine zu aggressive, individuell unverträgliche
Behandlung einer normalen Schuppenflechte verantwortlich machen. Besonders
nach Beendigung einer Kortisoneinnahme zur Behandlung einer einfachen
Schuppenflechte wurde die Entwicklung einer Pustelform berichtet. Weitere
Reizfaktoren stellen Infektionen, übermäßige Sonnenbestrahlung
und Medikamente dar. Zwei Verlaufsformen dieser pustelförmigen Schuppenflechte
mit Ganzkörperbefall sind den Ärzten bekannt. So kann eine typische
Psoriasis, die im frühen Erwachsenenalter begann, nach Jahren in
eine Pustelform übergehen. Im späteren Leben sind es vor allem
untypische Körperareale wie Gelenkbeugen oder Finger, auf denen sich
eine pustulöse Schuppenflechte ausbildet. Dabei stellen wir immer
wieder fest, daß die Haut zunächst trockener und empfindlicher
wird. Unter plötzlicher Fieberentwicklung mit Krankheitsgefühl
entstehen dann Pusteln auf bereits bestehenden, normal schuppenden Psoriasisherden
oder auf zunächst flächig geröteten Hautpartien über
den ganzen Körper verstreut, auch an sonst eher wenig bevorzugten
Hautstellen wie Beugen und Genitalbereich. Wir finden dann einzelstehende,
zusammenfließende, zu
bizarren Figuren ausgebildete Pustelformationen auf gerötetem Grund.
Die Pusteln trocknen ab und stoßen sich als sogenannte Schuppenkrusten
ab, meist folgt rasch ein neuer Schub. Bei Hand- und Fußbefall verdicken
sich die Nägel, weil die Fingerendglieder mitbetroffen sind. Unter
der Nagelplatte bilden sich gelbliche Eiterblasen, die den Nagel teilweise
ablösen. Häufig kommt es auch zum Mitbefall von Wangenschleimhaut
und Zunge, was bei der gewöhnlichen Schuppenflechte nie vorkommt.
In 30% der Fälle entwickeln sich leider zusätzlich entzündliche
Gelenkveränderungen. Komplikationen wie Nieren- und Leberfunktionsstörungen
kommen oft dazu, weil der gesamte Organismus in Mitleidenschaft gezogen
wird. Die Zeichen der schweren Hautentzündung lassen sich anhand
der erhöhten Blutkörperchen-Senkungsgeschwindigkeit und der
erhöhten Anzahl von weißen Blutkörperchen nachweisen.
Weiterhin kommen eine Erniedrigung des Bluteiweißspiegels und des
Blutkalziums vor.
GANZKÖRPERBEFALL MIT SCHUPPENFLECHTE
(Psoriatische Erythrodermie)
Als die schwerste Komplikation der Schuppenflechte kennen wir einen durchgehenden
Befall des gesamten Hautorganes mit Schuppenflechteherden, was bei etwa
2 % der Psoriatiker vorkommt. Im Gegensatz zur gewöhnlichen Schuppenflechte
stehen bei diesem Krankheitsbild flächige Rötung und Verdickung
der Haut im Vordergrund. Die unterschiedlich stark ausgebildete Schuppung
haftet meist nicht auf der Haut wie bei gewöhnlichen Schuppen, sondern
schilfert rasch ab, um von neuen Schuppen ersetzt zu werden. Die täglich
anfallende Schuppenmenge ist enorm und der Grund für den starken
Eiweißverlust sowie die bereits besprochenen Störungen in der
Bluteiweiß-Zusammensetzung. Blutkörperchen-Senkungsgeschwindigkeit
und weiße Blutkörperchen zeigen meist stark erhöhte Werte.
Sehr häufig kommt es durch die Entzündungsvorgänge zur
Lymphknotenvergrößerung. Nicht selten entwickeln die Patienten
Fieber und deutliches Krankheitsgefühl. Sehr häufig ist auch
ein ausgeprägter Juckreiz vorhanden. Bei längerem Bestand dieser
generellen Hautrötung kommt es zur Beeinträchtigung der Temperaturregulation,
des Blutfließverhaltens, der Aufnahmevorgänge im Verdauungstrakt
sowie zu Störungen des Eiweiß- und Flüssigkeitsstoffwechsels.
Dies alles kann in der Folge zu lebensbedrohlichen Zuständen führen.
Die Entwicklung einer erythrodermischen Psoriasis geschieht grundsätzlich
auf zwei Wegen:
1. im Rahmen einer laufenden Vergrößerung der einzelnen Schuppenflechteherde,
die zusammenfließend große Hautareale bedecken und die gesamte
Haut überziehen.
2. meist aufgrund einer sehr starken Hautreizung, häufig durch eine
zu aggressive Therapie, die zu einer überschießenden Reaktion
im Sinne des "isomorphen" Reizeffektes führen kann.
Weiterhin ist uns aus früheren Zeiten bekannt, daß nach Einnahme
von Kortison zunächst eine rasche Rückbildung der Schuppenflechteherde
eintritt. Nach Absetzen des Medikamentes kommt es meist sehr schnell zur
Entwicklung eines neuen Schubes bis hin zum Befall der gesamten Körperoberfläche.
Als zusätzliche Komplikation sehen wir bei diesem das gesamte Hautorgan
betreffenden Krankheitsbild oft Entzündungsvorgänge an den Haarfollikeln
mit nachfolgend auftretendem Haarausfall. Allerdings führt dies nur
in den seltensten Fällen zu einer Glatzenbildung. Unsere Erfahrung
hat gezeigt, daß die Haare wieder nachwachsen, wenn sich das Krankheitsbild
beruhigt hat.
GELENKBEFALL BEI PSORIASIS
(Psoriasis arthropathica)
Bei mindestens 5 % der Patienten mit Schuppenflechte müssen wir leider
mit einer mehr oder weniger ausgeprägten Gelenkbeteiligung rechnen,
die je nach Symptomatik in verschiedene Typen eingeteilt werden kann:
Endständiger Typ
Diese Form ist bei ca. 30 % der Patienten (bei Männern häufiger
als bei Frauen) zu finden. Hier kommt es vor allem an den Finger- und
Zehengelenken aufgrund von Entzündungen zu schmerzhaften Schwellungen
im gelenkumgebenden Gewebe mit Bewegungseinschränkung. Der Befall
kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein, von nur einem Gelenk
eines Fingers bis hin zu allen Gelenken aller Finger und aller Zehen.
Die betroffenen Patienten berichten meist von einer Morgensteife der Gelenke.
Nach Durchführung von Bewegungsübungen ist rasch eine befriedigende
Beweglichkeit zu erzielen. Sehr häufig bestehen zusätzlich schuppenflechtebedingte
Nagelveränderungen.
Deformierender Typ
Hier können sowohl die kleinen als auch die größeren Gelenke
einschließlich Wirbelsäule und Becken befallen werden. Im Röntgenbild
erkennt man Knochenabbauvorgänge von der Auflösung von Knochensubstanz,
besonders an den kleinen Röhrenknochen, bis hin zum Umbau. In sehr
fortgeschrittenen Stadien sind die ursprünglichen Gelenkformen nicht
mehr erkennbar. Die früheren Bewegungsabläufe sind hochgradig
behindert bzw. nicht mehr durchführbar. Dieser Typ findet sich häufiger
bei schweren Psoriasis-Verlaufsformen wie Pusteltyp oder auch Erythrodermie;
er wird durch Inaktivität und eine Schonhaltung der Gelenke verschlimmert.
Primär chronischer Polyarthritis-Typ
Bei diesem Typ finden wir ähnliche Veränderungen wie bei einem
nicht mit der Schuppenflechte verwandten Krankheitsbild, der primär
chronischen Polyarthritis (Gelenkentzündung). Zum Teil sind die Gelenkveränderungen
kaum voneinander unterscheidbar. In erster Linie sind die Wirbelkörper
betroffen (SpondylarthritisTyp). Das Krankheitsgeschehen konzentriert
sich auf die Wirbelgelenke, oft ist die gesamte Wirbelsäule betroffen.
Es kommt dabei zu schmerzhaften Verkrümmungen mit Ausbildung von
wirbelkörperübergreifenden Knochenspangen und Verwachsungen.
Der Erkrankungsbeginn ist meist einseitig und führt zur isolierten
Gelenkzerstörung.
Häufig sind - im Gegensatz zur primär chronischen Polyarthritis
- auch die Becken- und Kreuzbeingelenke befallen.
Im Röntgenbild lassen sich verschmälerte Gelenkspalten, Knochenauflockerungen,
knöcherner Umbau und Abbauprozesse darstellen, dazu gelegentlich
eine zur Verknöcherung neigende Knochenhaut sowie Sehnenentzündungen.
In nicht zu fortgeschrittenen Stadien können Stillstand und sogar
eine Verbesserung des Zustandes eintreten, wenn entsprechende Maßnahmen
ergriffen werden. Eine Rückbildung der Gelenkveränderungen ist
leider äußerst selten.
Die Gelenkveränderungen können gleichzeitig mit den Hautveränderungen
auftreten, in vielen Fällen sind sie aber als Vorläufer von
Hauterscheinungen bekannt. Die Gelenkveränderungen alleine werden
zunächst eher selten einer Schuppenflechte zugeordnet, sondern als
"Rheumatismus" bezeichnet. Da bei über 2/3 der Patienten
mit Gelenkbeteiligung eine typische Veränderung der Nägel (Tüpfelung
oder Ölfleckausbildung) parallel läuft, kann ein Nagelbefall
auch ohne sonstige Hautzeichen die richtige Diagnose erbringen. Der Gesamtorganismus
ist also glücklicherweise nicht in Mitleidenschaft gezogen. Die Schmerzhaftigkeit
der Gelenkbeteiligung ist unterschiedlich ausgeprägt, sie kann von
leichteren Beschwerdebildern bis hin zu sehr starken Attacken oder Dauerschmerz
führen.
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