Neurodermitis-Lexikon

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ENTSTEHUNGSMECHANISMEN DER PSORIASIS

Neben der ererbten Veranlagung zur Psoriasis spielen bei der Entwicklung des Krankheitsgeschehens viele äußere Einflußfaktoren eine wichtige Rolle.

Ausgangspunkte für viele Untersuchungen in der Psoriasisforschung sind die stark beschleunigte Zellvermehrung in der Basalschicht und das Vorkommen von kernhaltigen Zellen in der Hornschicht. Der Ursprung dieser Veränderungen liegt in der Basalschicht, der Trennlinie zwischen Ober- und Lederhaut. Wegen des stark beschleunigten Stoffwechsels in dieser Zellschicht kann eine Vielzahl von notwendigen biochemischen Prozessen gar nicht oder nur unvollständig ausgeführt werden. In den Psoriasisherden findet man die gleichen Stoffwechselenzyme wie in der gesunden Haut, die Mengenverteilung kann aber sehr unterschiedlich sein; die fein abgestimmte Zusammenarbeit der verschiedenen Enzyme ist aus dem Gleichgewicht geraten. So kann man bei der Untersuchung von Hautzellen im Labor erniedrigte Werte für die Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase, für Polyamine, für die Arachidonsäure und die Leukotriene feststellen. Leukotriene sind als wichtige Botensubstanzen in Geweben bekannt, die weiße Blutkörperchen (Granulozyten) anlocken. Bei der Schuppenflechte entstehen als Resultat dieser Granulozytenwanderung die Munroschen Mikroabszesse, entzündliche Ansammlungen von weißen Blutkörperchen in der Hornschicht der Haut (siehe Seite 23). Einige Schmerzmittel, insbesondere die antirheumatisch wirkenden Stoffe, verändern den Stoffwechsel des Arachidonsäuremetabolismus, so daß vermehrt Leukotriene entstehen. Diese Substanzen können eine bestehende Schuppenflechte verschlechtern. Andere Medikamente hingegen hemmen bestimmte Schritte der Leukotrienbildung und wirken deshalb deutlich hemmend auf die Psoriasis.

Ein zu niedriger Kalziumspiegel behindert die Zellreifung. Bei einer seltenen Variante der pustulösen Schuppenflechte (Impetigo herpetiformis) findet sich häufig ein zu niedriger Blutkalziumspiegel. Von Interesse ist daher die Verbindung verschiedener Krankheitsbilder mit dem sogenannten HLA-System, dem Humanen-LeukozytenAntigen-System.