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DIAGNOSE DER SCHUPPENFLECHTE

Da sich die Psoriasis auf so vielfältige Weise äußern kann, muß der Hautarzt bei der Diagnosestellung sehr aufmerksam vorgehen. Es gibt aber einige Symptome, die charakteristisch für alle Formen der Schuppenflechte sind.

ÄUSSERE MERKMALE

Die klassische Form der Schuppenflechte ist durch einen typischen Aufbau der Hauterscheinungen gekennzeichnet. Beim erstmaligen Auftreten entwickelt sich ein roter Fleck, auf dem sich sehr rasch z. T. fest haftende Schuppen bilden. Diese Schuppen zeigen einen geschichteten Aufbau und glänzen meist silbern. Typisch für die Schuppenflechte ist das Zeichen des zu kleinen Deckels, d. h. die als Deckel wirkenden Schuppenauflagerungen bedecken nicht vollständig den gesamten geröteten Herd, so daß jeweils randständig ein mehrere Millimeter breiter roter Saum sichtbar bleibt. Häufig wird dieser Randsaum von einer schmäleren abgeblaßten Zone begrenzt. (Es gibt aber sicher etliche unter den Lesern, bei denen die Hautveränderungen etwas oder sogar deutlich anders ausfallen.)
Von Patient zu Patient lassen sich immer wieder Abweichungen der Hauterscheinungsbilder feststellen, was vor allem vom Alter der Schuppenflechteherde abhängt. Ein relativ frisch aufgetretener Herd wird meist hellrot, ein schon viele Monate bestehender mehr dunkelrot bis blaurot und meist auch von einer dichteren Schuppenauflage bedeckt sein. Auch plötzliche Rückbildungen oder Abheilungen einzelner

Herde können das Erscheinungsbild verändern. Die Erfahrung hat uns gelehrt, daß frische Erscheinungen auf schon ältere übergreifen und zu Auslöscherscheinungen (plötzliche Rückbildung des ganzen Herdes) oder auch zur verstärkten Schuppenbildung Anlaß geben. Der Arzt kann beim Reiben mit einem Holzspatel auf den Hauterscheinungen 3 besondere Zeichen auslösen, die er allerdings in ihrer Gesamtheit bewerten muß:1. Kerzenphänomen: Hier kann man beim Kratzen mit einem Holzspatel feine Schuppenteile ablösen, deren Form feinen Wachsspänen ähnelt.2. Das "letzte Häutchen": Nachdem der Herd von Schuppen freigelegt wurde, läßt sich vom darunterliegenden roten Fleck ein dünnes Häutchen ablösen, das "letzte Häutchen". Es besteht aus der untersten die Papillenspitzen überdeckenden Schicht der Epidermis. Dieses Phänomen sichert uns die Diagnose "Schuppenflechte". Es ist in diesem Zusammenhang wichtig, darauf hinzuweisen, daß nach Abkratzen der Schuppen die Hautoberfläche trocken bleiben muß und das letzte Häutchen als leicht spiegelnde, aber noch unverletzte feine Membran zu erkennen ist.

3. Auspitz-Phänomen: Als drittes Kennzeichen (nicht ausschließlich für die Schuppenflechte typisch) gilt das Auspitz-Phänomen:
Beim Ablösen des letzten Häutchens werden die daran fest anhaftenden kleinen Blutgefäße eingerissen, was zu einer feinen, punktförmigen Blutung führt. Diesen tropfenförmigen Blutaustritt bezeichnet man als "blutigen Tau", eine von Auspitz beschriebene Erscheinung. Da wir auch andere Hautkrankheiten kennen, bei denen es nach Kratzen auf der Hautoberfläche zu feinen Blutungen kommt (z. B. bei Ekzemen), ist das Zeichen des "letzten Häutchens" am aussagekräftigsten. Insgesamt gesehen kann der Arzt bei fachmännischer Ausführung dieser Untersuchungsmethode sehr genau feststellen, ob eine Schuppenflechte vorliegt oder nicht. In vielen Fällen erübrigt es sich, dem Patienten ein befallenes Hautstück zur Untersuchung zu entnehmen. Bei der Besprechung der Diagnosestellung müssen wir aber auch wissen, daß die Schuppenflechteherde bei der Rückbildung ein besonderes Verhalten an den Tag legen. Während des Abheilungsprozesses können wir im vormals befallenen Hautareal eine Hellfärbung bemerken, die auf eine Hemmung der Pigmentbildung schließen läßt. In der Medizin wird das als "psoriatisches Leukoderm" bezeichnet. Vereinzelt kann in den abgeheilten Partien jedoch auch eine dunklere Einfärbung auftreten. Beide Begleitreaktionen verschwinden nach unterschiedlich langem Bestand; es gibt keine Narbenbildung

FEINGEWEBLICHE UNTERSUCHUNG

Die feingewebliche Untersuchung beinhaltet die Betrachtung eines kleinen Hautherdes mit dem Mikroskop, der in örtlicher Betäubung aus einer typischen Hauterscheinung entnommen wurde. Oftmals läßt sich durch die Untersuchung des Zellbildes eine Hauterkrankung, die zunächst nicht eindeutig erkannt wird, besser einordnen. Gleichzeitig können durch die Betrachtung der einzelnen Zellen wesentliche Ursachen zur Entstehung einer Erkrankung aufgedeckt werden. Zum besseren Verständnis der Reaktionen bei krankhaften Hautveränderungen zeigen wir zuerst kurz den Aufbau der gesunden Haut:
Die Ober- und Lederhaut bilden zusammen die Cutis. Die Oberhaut, auch Epidermis genannt, besteht aus Epithelzellen. Die Funktion der Hautzellen ist vorrangig der Schutz des Körpers nach außen, den die Haut durch eine Verhornung der Epithelzellen (Keratinozyten) gewährleistet. Die oberste Schicht der Haut, die Hornschicht (Stratum corneum), besteht aus abgestorbenen Zellen ohne Zellkern, die an der Hautoberfläche abgerieben werden.
Die unterste Schicht, die Basalschicht (Stratum basale), stellt die Grenze zwischen Oberhaut (Epidermis) und Lederhaut (Corium) dar, sie bringt alle Zellen der Oberhaut hervor. Durch ständige Zellteilungen in der Basalzellschicht entwickelt sich die darüberliegende Stachelzellschicht, hierauf dann die Körnerzellschicht (Stratum granulosum), aus dem als oberste Schicht die Hornhaut (Stratum corneum) entsteht. Die Hornhaut ist je nach mechanischer Belastung unterschiedlich dick. So ist sie auf den Fußsohlen und auf den Handinnenflächen am dicksten, in den Ellbeugen deutlich dünner, am Hodensack am dünnsten.
Bei der feingeweblichen Untersuchung der Schuppenflechte finden wir Veränderungen in der Oberhaut, an der Basalschicht und auch im oberen Anteil der Lederhaut. In der Oberhaut (Epidermis) finden eine übermäßige Vermehrung der Epidermiszellen und eine gestörte Verhornung der Haut statt. Ein typisches Merkmal der Psoriasis ist der "Munrosche Mikroabszeß". Hierbei handelt es sich um in die oberste Hautschicht einwandernde weiße Blutkörperchen (neutrophile Granulozyten), die auf eine Entzündungsreaktion der Haut hinweisen. Die Basalschicht ist im Rahmen der psoriatischen Hautveränderungen ebenfalls einer Veränderung unterzogen. Normalerweise schlängelt sie sich als leicht wellenförmiges Band durch die gesamte Haut. Bei der Schuppenflechte hingegen dehnt sie sich durch die Ausbildung von "Bergen und Tälern" um ca. das Zwanzigfache ihrer ursprünglichen Länge aus. Gleichzeitig mit dieser Veränderung steigt auch die Zahl der an ihr beteiligten Zellen. Durch Veränderungen in der Lederhaut (Corium) können wir die Rötung der Haut (Erythem) erklären: Die Blutgefäße sind verlängert, geschlängelt und erweitert. Eine Epidermiszelle benötigt für ihre Entwicklung von der Basalzelle bis zur Hornzelle unter normalen Verhältnissen ungefähr 28 Tage. Bei der Schuppenflechte ist dieser Prozeß auf 3-4 Tage verkürzt, dadurch kann die Umwandlung der Basalzelle zur Hornzelle nicht immer komplett vollzogen werden. Wir finden daher im feingeweblichen Bild die für die Schuppenflechte typischen kernhaltigen und kernlosen Hornzellen, was der Fachmann als Parakeratose ohne Körnerschicht und Hyperkeratose mit Körnerschicht bezeichnet. Es ist verständlich, daß diese Hautveränderungen in den Schuppenflechteherden mit einer Aktivierung des Stoffwechsels einhergehen. In Zusammenhang mit der beschleunigten Zellvermehrung steht auch die Neubildung von kleinen Gefäßen in den wellenförmig veränderten oberen Abschnitten der Lederhaut (Corium). In neuesten Untersuchungen geht man davon aus, daß die Neubildung der Gefäße auch Veränderungen in der untersten Schicht der Oberhaut (Epidermis) bedingen, die somit z. B. für bestimmte Enzyme durchlässig wird.
Die Kenntnis all dieser Veränderungen läßt aber noch die Frage offen, ob es sich hier um Reaktionen der Haut auf einen außergewöhnlichen Zustand handelt, oder ob dies ein außergewöhnlicher Zustand ist.

Grundsätzlich kennen wir keine Veränderungen im Blut,die mit Sicherheit einer Schuppenflechte zuzuordnen sind. Sehen wir einmal von bestimmten Vererbungsmerkmalen ab, verhalten sich die allgemeinmedizinischen Befunde wie z. B. Blutkörperchen-Senkungsgeschwindigkeit, Blutbild, Werte für die Nieren- und Leberfunktion und Hormonspiegel von der Schuppenflechte unabhängig und liegen im Normalbereich.
Einzig die Harnsäurewerte scheinen in der Gesamtbetrachtung bei Patienten mit Schuppenflechte etwas höher auszufallen, obwohl wir auch genügend Patienten mit Normalwerten kennen.
Bestimmte Fettstoffwechselstörungen wurden bei Patienten mit
Schuppenflechte etwas häufiger festgestellt als in der Gesamtbevölkerung.
Anders sieht es bei schweren Verlaufsformen der Schuppenflechte aus, z. B. bei Ganzkörperbefall oder einer pustelförmigen Schuppenflechte: Hier haben sich meist die Werte, die für Entzündungszustände im Körper aussagefähig sind, verändert. So sind vor allem Blutkörperchen-Senkungsgeschwindigkeit und Gesamtzahl der weißen Blutkörperchen erhöht, Gesamteiweiß und Eisengehalt hingegen erniedrigt.
Bei schwerer pustelförmiger Schuppenflechte kann anfangs die Zahl der Lymphozyten (Immunzellen) absinken, ebenso liegen meist die Kalzium- und Zinkspiegel im Blut unter den Normalwerten.