|
Home
Was ist Schuppenflechte
Häufigkeit
Veranlagung
Reizfaktoren
Diagnose
Entstehung der
Psoriasis
Vererbung
Erscheinungsbilder
Begleiterkrankungen
Schwangerschaft
Therapie
Medikamente
Physikalische Behandlung
Klimatherapie
Psychotherapie
Schuppenflechte bei Kindern
Lexikon
Links
Impressum
|
DIAGNOSE DER SCHUPPENFLECHTE
Da sich die Psoriasis auf so vielfältige Weise äußern
kann, muß der Hautarzt bei der Diagnosestellung sehr aufmerksam
vorgehen. Es gibt aber einige Symptome, die charakteristisch für
alle Formen der Schuppenflechte sind.
ÄUSSERE MERKMALE
Die klassische Form der Schuppenflechte ist durch einen typischen Aufbau
der Hauterscheinungen gekennzeichnet. Beim erstmaligen Auftreten entwickelt
sich ein roter Fleck, auf dem sich sehr rasch z. T. fest haftende Schuppen
bilden. Diese Schuppen zeigen einen geschichteten Aufbau und glänzen
meist silbern. Typisch für die Schuppenflechte ist das Zeichen des
zu kleinen Deckels, d. h. die als Deckel wirkenden Schuppenauflagerungen
bedecken nicht vollständig den gesamten geröteten Herd, so daß
jeweils randständig ein mehrere Millimeter breiter roter Saum sichtbar
bleibt. Häufig wird dieser Randsaum von einer schmäleren abgeblaßten
Zone begrenzt. (Es gibt aber sicher etliche unter den Lesern, bei denen
die Hautveränderungen etwas oder sogar deutlich anders ausfallen.)
Von Patient zu Patient lassen sich immer wieder Abweichungen der Hauterscheinungsbilder
feststellen, was vor allem vom Alter der Schuppenflechteherde abhängt.
Ein relativ frisch aufgetretener Herd wird meist hellrot, ein schon viele
Monate bestehender mehr dunkelrot bis blaurot und meist auch von einer
dichteren Schuppenauflage bedeckt sein. Auch plötzliche Rückbildungen
oder Abheilungen einzelner
Herde können das Erscheinungsbild verändern. Die Erfahrung hat
uns gelehrt, daß frische Erscheinungen auf schon ältere übergreifen
und zu Auslöscherscheinungen (plötzliche Rückbildung des
ganzen Herdes) oder auch zur verstärkten Schuppenbildung Anlaß
geben. Der Arzt kann beim Reiben mit einem Holzspatel auf den Hauterscheinungen
3 besondere Zeichen auslösen, die er allerdings in ihrer Gesamtheit
bewerten muß:1. Kerzenphänomen: Hier kann man beim Kratzen
mit einem Holzspatel feine Schuppenteile ablösen, deren Form feinen
Wachsspänen ähnelt.2. Das "letzte Häutchen":
Nachdem der Herd von Schuppen freigelegt wurde, läßt sich vom
darunterliegenden roten Fleck ein dünnes Häutchen ablösen,
das "letzte Häutchen". Es besteht aus der untersten die
Papillenspitzen überdeckenden Schicht der Epidermis. Dieses Phänomen
sichert uns die Diagnose "Schuppenflechte". Es ist in diesem
Zusammenhang wichtig, darauf hinzuweisen, daß nach Abkratzen der
Schuppen die Hautoberfläche trocken bleiben muß und das letzte
Häutchen als leicht spiegelnde, aber noch unverletzte feine Membran
zu erkennen ist.
3. Auspitz-Phänomen: Als drittes Kennzeichen (nicht ausschließlich
für die Schuppenflechte typisch) gilt das Auspitz-Phänomen:
Beim Ablösen des letzten Häutchens werden die daran fest anhaftenden
kleinen Blutgefäße eingerissen, was zu einer feinen, punktförmigen
Blutung führt. Diesen tropfenförmigen Blutaustritt bezeichnet
man als "blutigen Tau", eine von Auspitz beschriebene Erscheinung.
Da wir auch andere Hautkrankheiten kennen, bei denen es nach Kratzen auf
der Hautoberfläche zu feinen Blutungen kommt (z. B. bei Ekzemen),
ist das Zeichen des "letzten Häutchens" am aussagekräftigsten.
Insgesamt gesehen kann der Arzt bei fachmännischer Ausführung
dieser Untersuchungsmethode sehr genau feststellen, ob eine Schuppenflechte
vorliegt oder nicht. In vielen Fällen erübrigt es sich, dem
Patienten ein befallenes Hautstück zur Untersuchung zu entnehmen.
Bei der Besprechung der Diagnosestellung müssen wir aber auch wissen,
daß die Schuppenflechteherde bei der Rückbildung ein besonderes
Verhalten an den Tag legen. Während des Abheilungsprozesses können
wir im vormals befallenen Hautareal eine Hellfärbung bemerken, die
auf eine Hemmung der Pigmentbildung schließen läßt. In
der Medizin wird das als "psoriatisches Leukoderm" bezeichnet.
Vereinzelt kann in den abgeheilten Partien jedoch auch eine dunklere Einfärbung
auftreten. Beide Begleitreaktionen verschwinden nach unterschiedlich langem
Bestand; es gibt keine Narbenbildung
FEINGEWEBLICHE UNTERSUCHUNG
Die feingewebliche Untersuchung beinhaltet die Betrachtung eines kleinen
Hautherdes mit dem Mikroskop, der in örtlicher Betäubung aus
einer typischen Hauterscheinung entnommen wurde. Oftmals läßt
sich durch die Untersuchung des Zellbildes eine Hauterkrankung, die zunächst
nicht eindeutig erkannt wird, besser einordnen. Gleichzeitig können
durch die Betrachtung der einzelnen Zellen wesentliche Ursachen zur Entstehung
einer Erkrankung aufgedeckt werden. Zum besseren Verständnis der
Reaktionen bei krankhaften Hautveränderungen zeigen wir zuerst kurz
den Aufbau der gesunden Haut:
Die Ober- und Lederhaut bilden zusammen die Cutis. Die Oberhaut, auch
Epidermis genannt, besteht aus Epithelzellen. Die Funktion der Hautzellen
ist vorrangig der Schutz des Körpers nach außen, den die Haut
durch eine Verhornung der Epithelzellen (Keratinozyten) gewährleistet.
Die oberste Schicht der Haut, die Hornschicht (Stratum corneum), besteht
aus abgestorbenen Zellen ohne Zellkern, die an der Hautoberfläche
abgerieben werden.
Die unterste Schicht, die Basalschicht (Stratum basale), stellt die Grenze
zwischen Oberhaut (Epidermis) und Lederhaut (Corium) dar, sie bringt alle
Zellen der Oberhaut hervor. Durch ständige Zellteilungen in der Basalzellschicht
entwickelt sich die darüberliegende Stachelzellschicht, hierauf dann
die Körnerzellschicht (Stratum granulosum), aus dem als oberste Schicht
die Hornhaut (Stratum corneum) entsteht. Die Hornhaut ist je nach mechanischer
Belastung unterschiedlich dick. So ist sie auf den Fußsohlen und
auf den Handinnenflächen am dicksten, in den Ellbeugen deutlich dünner,
am Hodensack am dünnsten.
Bei der feingeweblichen Untersuchung der Schuppenflechte finden wir Veränderungen
in der Oberhaut, an der Basalschicht und auch im oberen Anteil der Lederhaut.
In der Oberhaut (Epidermis) finden eine übermäßige Vermehrung
der Epidermiszellen und eine gestörte Verhornung der Haut statt.
Ein typisches Merkmal der Psoriasis ist der "Munrosche Mikroabszeß".
Hierbei handelt es sich um in die oberste Hautschicht einwandernde weiße
Blutkörperchen (neutrophile Granulozyten), die auf eine Entzündungsreaktion
der Haut hinweisen. Die Basalschicht ist im Rahmen der psoriatischen Hautveränderungen
ebenfalls einer Veränderung unterzogen. Normalerweise schlängelt
sie sich als leicht wellenförmiges Band durch die gesamte Haut. Bei
der Schuppenflechte hingegen dehnt sie sich durch die Ausbildung von "Bergen
und Tälern" um ca. das Zwanzigfache ihrer ursprünglichen
Länge aus. Gleichzeitig mit dieser Veränderung steigt auch die
Zahl der an ihr beteiligten Zellen. Durch Veränderungen in der Lederhaut
(Corium) können wir die Rötung der Haut (Erythem) erklären:
Die Blutgefäße sind verlängert, geschlängelt und
erweitert. Eine Epidermiszelle benötigt für ihre Entwicklung
von der Basalzelle bis zur Hornzelle unter normalen Verhältnissen
ungefähr 28 Tage. Bei der Schuppenflechte ist dieser Prozeß
auf 3-4 Tage verkürzt, dadurch kann die Umwandlung der Basalzelle
zur Hornzelle nicht immer komplett vollzogen werden. Wir finden daher
im feingeweblichen Bild die für die Schuppenflechte typischen kernhaltigen
und kernlosen Hornzellen, was der Fachmann als Parakeratose ohne Körnerschicht
und Hyperkeratose mit Körnerschicht bezeichnet. Es ist verständlich,
daß diese Hautveränderungen in den Schuppenflechteherden mit
einer Aktivierung des Stoffwechsels einhergehen. In Zusammenhang mit der
beschleunigten Zellvermehrung steht auch die Neubildung von kleinen Gefäßen
in den wellenförmig veränderten oberen Abschnitten der Lederhaut
(Corium). In neuesten Untersuchungen geht man davon aus, daß die
Neubildung der Gefäße auch Veränderungen in der untersten
Schicht der Oberhaut (Epidermis) bedingen, die somit z. B. für bestimmte
Enzyme durchlässig wird.
Die Kenntnis all dieser Veränderungen läßt aber noch die
Frage offen, ob es sich hier um Reaktionen der Haut auf einen außergewöhnlichen
Zustand handelt, oder ob dies ein außergewöhnlicher Zustand
ist.
Grundsätzlich kennen wir keine Veränderungen im Blut,die mit
Sicherheit einer Schuppenflechte zuzuordnen sind. Sehen wir einmal von
bestimmten Vererbungsmerkmalen ab, verhalten sich die allgemeinmedizinischen
Befunde wie z. B. Blutkörperchen-Senkungsgeschwindigkeit, Blutbild,
Werte für die Nieren- und Leberfunktion und Hormonspiegel von der
Schuppenflechte unabhängig und liegen im Normalbereich.
Einzig die Harnsäurewerte scheinen in der Gesamtbetrachtung bei Patienten
mit Schuppenflechte etwas höher auszufallen, obwohl wir auch genügend
Patienten mit Normalwerten kennen.
Bestimmte Fettstoffwechselstörungen wurden bei Patienten mit
Schuppenflechte etwas häufiger festgestellt als in der Gesamtbevölkerung.
Anders sieht es bei schweren Verlaufsformen der Schuppenflechte aus, z.
B. bei Ganzkörperbefall oder einer pustelförmigen Schuppenflechte:
Hier haben sich meist die Werte, die für Entzündungszustände
im Körper aussagefähig sind, verändert. So sind vor allem
Blutkörperchen-Senkungsgeschwindigkeit und Gesamtzahl der weißen
Blutkörperchen erhöht, Gesamteiweiß und Eisengehalt hingegen
erniedrigt.
Bei schwerer pustelförmiger Schuppenflechte kann anfangs die Zahl
der Lymphozyten (Immunzellen) absinken, ebenso liegen meist die Kalzium-
und Zinkspiegel im Blut unter den Normalwerten.
|
|