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PSORIASIS UND BEGLEITERKRANKUNGEN
Immer wieder wird diskutiert, ob es typische Begleiterkrankungen im Zusammenhang
mit einer Schuppenflechte gibt, oder ob es sich nur um Folgeerscheinungen
der Psoriasis handelt.
PSORIASIS UND STOFFWECHSELKRANKHEITEN
Unter besonderem Verdacht stehen Stoffwechselerkrankungen wie die Zuckerkrankheit,
Gicht (Harnsäureerhöhung) und Blutfetterhöhung. Im wesentlichen
konnten aber bisher keine wissenschaftlich gesicherten Zusammenhänge
zwischen der Schuppenflechte und den genannten Stoffwechselstörungen
festgestellt werden.
PSORIASIS UND PSYCHE
Patienten geben immer wieder an, daß als auslösende Faktoren
für den Ausbruch einer Psoriasis bzw. deren Verschlimmerung nervlicher
Streß und seelische Ausnahmesituationen verantwortlich seien. Im
Rahmen eingehender Untersuchungen haben wir öfter solche Zusammenhängt
feststellen können. Die Psoriasis aber ursächlich als nervlich
bedingte Erkrankung dar zustellen, wie gelegentlich zu hören ist,
überschreitet alle bis jetzt vor. liegenden Untersuchungsergebnis
se und ist sicher nicht haltbar. Im Rahmen nervlicher Streßsitua
tionen ist es denkbar, daß durch Nervenerregung eine vermehrte Ausschüttung
von sogenannter Streßhormonen (z. B. Adrenalin; und Überträgersubstanzen
aus Nervenendigungen zu einer Störung de; Immunsystems führt,
wodurch immunologische Prozesse gegen der eigenen Körper in Gang
kommen, die ihrerseits zu einer Entzündungsreaktion führen können.
Untersuchungen haben erbracht, daß Pso-riasispatienten im Vergleich
zu hautgesunden Menschen stärker au] vegetative und hormonelle Reize
reagieren.
Wie Sie bereits wissen, spielt die Entzündung bei der Psoriasis eine
sehr große Rolle, darauf weist die anfangs starke Rötung der
Haut hin, die allerdings in der Folge meist von Schuppenlagen überdeckt
wird. So wie beim Psoriatiker mechanische Belastungen manchmal Krankheitsherde
auslösen, können nervliche Streßsituationen gleichfalls
als Reiz bei einer bestehenden Reaktionsbereitschaft gesehen werden und
Psoriasiserscheinungen auslösen. Ausschlaggebend könnte hier
eine Störung des Gleichgewichtes zwischen helfenden und bremsenden
Immunzellen oder auch nur eine Einschränkung der Aktivität dieser
Zellsysteme durch hormonelle Einflüsse sein. In diesem Zusammenhang
sind die Mitteilungen sehr interessant, nach denen im Rahmen neuerer Therapieansätze
immunologisch wirksame Medikamente (Cyclosporin A) in der Lage sind, Schuppenflechteherde
unterschiedlichster Ausbildung rasch zur Abheilung zu bringen (siehe Seite
59). Nach den vorliegenden Untersuchungen und unseren eigenen Erfahrungen
scheinen Patienten mit Psoriasis keine neurotische Veranlagung zu haben.
Allerdings besteht die Tendenz, als Reaktion auf unerfreuliche Ereignisse,
die fehlverarbeitet und innerlich aufgestaut werden, depressive Stimmungslagen
zu entwickeln. Diese können bis zu ausgeprägten Depressionen
führen. Es ist nur allzu verständlich, daß jede über
längere Zeit bestehende Hauterkrankung, die vor allem auch einsehbare
Körperpartien befällt, zur ständigen seelischen Belastung
wird. Bei der geringsten Andeutung seitens der Umwelt, daß die Erkrankung
ansteckend und ekelerregend sei, oder daß ein unhygienisches Verhalten
dafür verantwortlich sei, reagieren die Betroffenen dann oft ausgesprochen
aggressiv. Die daraus resultierende Verärgerung und Ablehnung bei
Freunden und in der Familie mindert das Selbstvertrauen und führt
letztlich zu Mutlosigkeit und Resignation. Das Ergebnis ist schließlich
die soziale Ausgrenzung, insbesondere auch dann, wenn im Berufsleben von
den Mitarbeitern laufend Konfliktsituationen geschaffen werden, die schließlich
zur dauerhaften Einschränkung der Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz
führen.
Im psychologischen Gespräch versuchen wir vorsichtig, die seelischen
Konfliktsituationen offenzulegen, damit wir ihnen begegnen bzw. Hilfestellung
bei der Bewältigung leisten können. Der Arzt muß dem Psoriatiker
einen sicheren Umgang mit seiner Krankheit vermitteln können, so
daß er eine wohlgemeinte Nachfrage von Freunden und Mitarbeitern
nach dem Gesundheitszustand nicht als Provokation bewertet, sondern sachlich
und offen eine klare Auskunft geben kann. Der Arzt muß sich für
dieses sicher nicht leichte Unterfangen bei jedem Patienten viel Zeit
nehmen. Damit steht und fällt die Voraussetzung für eine vertrauensvolle
Zusammenarbeit zwischen Arzt und Patient. Sehr gute Erfolge haben wir
vor allem durch psychologische Gruppengespräche erzielt, wie sie
im Rahmen einer intensiven stationären Therapie durchgeführt
werden. Bewährt haben sich auch Streßbewältigungs- und
Entspannungstechniken, die die Psoriatiker alleine zu Hause anwenden können.
Hier sind vor allem das autogene Training und Techniken der Autosuggestion
zu nennen.
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